Kino, hübsch oberflächlich

9. November 2005, 18:01
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Liz Gills "Goldfish Memory", eine irische Komödie über Beziehungsreigen

Wien – Die lebenslustige Clara (Fiona O'Shaughnessy) hat eine stürmische Affäre mit Tom (Sean Campion). Als sie dahinterkommt, dass der Literaturprofessor in der Midlife-Crisis auch mit ihrer Mitstudentin Isolde (Fiona Glascott) anbandelt, verlässt sie ihn. Kurz darauf lernt sie die TV-Reporterin Angie (Flora Montgomery) kennen und lieben. Deren bester Freund Red (Keith McErlean) wiederum verguckt sich in einen attraktiven Kellner, welcher sein sexuelles Interesse an Männern entdeckt und nicht nur deshalb Probleme mit seiner Langzeitfreundin bekommt.

Clara und Angie trennen sich bald wieder – und die irische Komödie "Goldfish Memory", die zweite Regiearbeit von Liz Gill, verfolgt diesen Beziehungsreigen noch ein paar turbulente Drehungen weiter.

Die Grundthese, der "Goldfish Memory" auch seinen Titel verdankt, liefert Toms Aufrissschmäh von den Goldfischen, deren Gedächtnis nicht weiter reicht als ein, zwei Runden im Goldfischglas, womit sie das perfekte Vorbild für zeitgenössische Lebensabschnittspartnerschaften gäben – eine These, die die Figuren fortan je nachdem für grade passend oder doch für grundsätzlich falsch befinden.

Der Film aus Irland folgt dabei weit gehend dem Konzept des britischen Arthouse-Formelkinos à la "Vier Hochzeiten und ein Todesfall". Alles bleibt hübsch an der Oberfläche, alles löst sich letztendlich in Wohlgefallen auf.

"Goldfish Memory" fungiert zugleich auch als eine Art Imagefilm für ein modernes Dublin mit proper restaurierter, alter Bausubstanz, schicken neuen Designerlokalen und schmucken Eigenheimen samt dazu passendem Soundtrack mit neu eingespielten Bossa-Tracks.

Das Figurenensemble aus Uni-Personal, Studierenden oder Medienleuten schlägt sich zwischen malerischen Stadtansichten mit dem Dating-Game, mit emotionalen Lebenskrisen, mit Eifersucht und schlussendlich mit der Sehnsucht nach zweisamer Stabilität und Nachwuchs herum. Ein netter Zeitvertreib, der das Gedächtnis des Publikums zu guter Letzt nicht allzu sehr belastet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2005)

Von Isabella Reicher

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identities.at

goldfishmemory.com

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    foto: topkino
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