Barroso krempelt EU-Kommission um

21. November 2005, 14:32
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17 von 35 General- direktoren ausgetauscht - Einflussreiche Positionen für Briten und Iren - Österreicher Zourek befördert

Brüssel – In einer beispiellosen Aktion hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso spektakuläre Personalveränderungen in der EU-Behörde vorgenommen. Am Mittwoch wurde verkündet, dass gleich 17 von 35 Generaldirektoren und stellvertretende Generaldirektoren bis zum 1. Jänner 2006 ausgetauscht werden. Damit wird die Spitze der Brüsseler Bürokratie völlig umgekrempelt.

Ein Österreicher profitiert davon: Heinz Zourek wird mit sofortiger Wirkung Generaldirektor für Unternehmen. Zourek war bisher Vize in diesem Bereich. Mit dem Chef der EU- Statistikbehörde Eurostat, Günter Hanreich, sind nun zwei Österreicher Generaldirektoren. Zourek war vor seiner Ernennung zum EU-Topbeamten bei der Arbeiterkammer und beim ÖGB, Hanreich im Verkehrsministerium.

Franzosen weichen

Vor allem französische Vertreter mussten auf Geheiß von Barroso, der einen wirtschaftsliberalen Kurs vertritt, den Stuhl räumen. Die Personalrochade wurde intern auch "Säuberungsaktion" genannt. Briten oder Iren besetzen nun die einflussreichsten Ämter. Nur den Chefposten für Landwirtschaft bekam mit Jean-Luc Demarty ein Franzose.

Aufsehen erregt vor allem, dass Francois Lamoureux, der französische Generaldirektor für Transport und Energie und enge Vertraute des ehemaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors, seinen Posten aufgeben musste.

Auch die Sprecherin der EU-Kommission, die Französin Francoise Le Bail, wird weggelobt. Sie wird Zoureks Stellvertreterin. Le Bail, der ein Teil der oft ungeschickten Öffentlichkeitsarbeit der EU- Kommission angelastet werden kann, wird durch den Deutschen Johannes Laitenberger ersetzt.

Just am Mittwoch forderte die EU-Kommission auch Sanktionen gegen die frühere französische EU-Kommissarin Edith Cresson, die sich wegen Begünstigung im Amt vor dem Europäischen Gerichtshof verantworten muss. (afs, DER STANDARD, Print, 10.11.2005)

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    Kommissionspräsident José Manuel Barroso greift durch: 17 von 35 Generaldirektoren werden ausgetauscht.

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