Bloomberg in New York bestätigt

15. November 2005, 08:49
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Der republikanische Multimilliardär gewann den teuersten Wahlkampf, den die Stadt je gesehen hat - Demokraten siegreich bei Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey

Der republikanische Bürgermeister Michael Bloomberg konnte am Dienstag in New York einen historischen Sieg über seinen demokratischen Gegenkandidaten Fernando Ferrer erzielen. Sein Vorsprung von nahezu 20 Prozentpunkten (58,5 zu 38,7) ist der höchste, der jemals von einem Republikaner in der hauptsächlich demokratischen Stadt erzielt wurde.

Für viele New Yorker gilt der Multimilliardär Bloomberg allerdings nicht als typischer Republikaner: Immerhin hatte der ehemalige Demokrat erst kurz vor seiner ersten Wahl im Jahr 2001 die Partei gewechselt. Dies mag auch ein Grund sein, warum die Beschuldigungen von Ferrer, Bloomberg stecke mit dem unpopulären Präsidenten George W. Bush unter einer Decke, nie wirklich Fuß fassen konnten. "Ich werde die Stadt weiterhin ehrlich und unabhängig leiten", erklärte Bloomberg in seiner Dankesrede, "und die Interessen der Menschen immer vor politische Kalkulationen stellen".

Die New Yorker Daily News berichtet, es habe wahrscheinlich eine Reihe von Demokraten gegeben, die Bloomberg zögerlich, aber doch gewählt hatten, "während sie sich die Nase zuhielten". Bloombergs Stil – er nimmt täglich die Subway, um in die City Hall zu fahren – und seine sachlich- kühle Art gefiel den New Yorkern offenbar.

Bloomberg versprach seinen jubelnden Anhängern, er werde sich selbst auch keine Gehaltserhöhung gewähren – während der vergangenen vier Jahre bezahlte er sich bloß einen Dollar pro Jahr. Allerdings hatte er für seine Wiederwahl tief in seine Taschen gegriffen und fast 67 Millionen Dollar aus eigener Tasche bezahlt – sein Vermögen wird auf mindestens vier Milliarden Dollar geschätzt.

Siege der Demokraten

Im Rest des Landes konnten die Demokraten dagegen nahezu auf allen Linien Siege verzeichnen, allen voran bei den Gouverneurswahlen in Virginia. Bis zuletzt hatten die Republikaner gehofft, den bisher von dem Demokraten Mark Warner gehaltenen Gouverneurssitz wieder für sich beanspruchen zu können.

Obwohl der republikanische Kandidat Jerry Kilgore bis zuletzt gezögert hatte, Wahlhilfe von dem schwer angeschlagenen Präsidenten anzunehmen, gab er noch am Vorabend der Wahl nach und lud Bush zu einer großen Wahlveranstaltung ein. Der Demokrat Tim Kaine gewann mit 52 Prozent, Kilgore erhielt nur 46 Prozent. Kaine war von dem populären scheidenden Gouverneur Warner – der Ambitionen für die Präsidentschaft im Jahr 2008 gezeigt hat – persönlich als dessen Nachfolger gekürt worden.

In dem vorwiegend demokratischen Staat New Jersey kämpfte Senator Jon Corzine mit allen Mitteln gegen den Republikaner Doug Forrester. Beide sind Multimillionäre und steckten hohe Summen in ihre Kampagnen. Gegen Ende des Wahlkampfes gelang es Forrester, die geschiedene Frau von Corzine für einen Werbespot zu gewinnen, in dem sie ihren Exmann scharf attackierte. Dennoch wurde Corzine mit einem Vorsprung von zehn Punkten (53 zu 43 Prozent) gewählt. Da der frisch gewählte Corzine nun den Gouverneurssitz in New Jersey einnimmt, liegt es nun an ihm, einen Nachfolger für seinen Sitz im Senat zu bestellen. (DER STANDARD, Print, 10.11.2005)

Susi Schneider aus New York
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Siegerpose des Michael Bloomberg.

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