Zwischen ethnischen Gruppen wächst die Feindschaft

12. November 2005, 10:50
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Experte: Soziale Benachteiligung verstärkt Aggressivität unter jungen Migranten

Hamburg - Zwischen ethnischen Gruppen in Deutschland wächst nach einer Studie die Feindschaft. Bei mehr als zwei Dritteln der Fälle von Jugendgewalt in westdeutschen Städten prallen Angehörige ethnischer Gruppen aufeinander. Das ist ein Ergebnis der bisher unveröffentlichten Jugendstudie, die der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts und frühere Justizminister von Niedersachsen, Christian Pfeiffer, in der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit" vorgestellt hat.

Wenn es in westdeutschen Städten zu Gewalttaten unter Jugendlichen kommt, sind laut Pfeiffer in mehr als 60 Prozent der Fälle Angehörige von zugewanderten ethnischen Minderheiten beteiligt. Dass jugendliche Deutsche untereinander Gewalt ausüben, komme nur in etwa 20 Prozent der Fälle vor. Der Kriminologe und Ex-Justizminister schreibt in der "Zeit": "Werden junge Deutsche Opfer von Gewalt, sind zwei Drittel der Täter Jugendliche verschiedener ethnischer Minderheiten; nur ein Drittel ist deutsch. Werden junge Migranten attackiert, sind die Täter meist junge Migranten."

Gründe für die Gewaltbereitschaft seien soziale Benachteiligung, innerfamiliäre Gewalt sowie die Akzeptanz von Männlichkeitsnormen, die Gewalt legitimieren. "Unsere Datenanalysen zeigen, dass nichts die Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher stärker fördert als die Identifikation mit den Werten der Macho-Kultur", sagte Pfeiffer.

Nur 2,9 Prozent der jungen Deutschen gehören nach Pfeiffer zu den Intensivtätern. Bei den Aussiedlern seien es mit gut 6 Prozent etwa doppelt so viele. An der Spitze stehen der Studie zufolge Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien (8,3 Prozent) und aus der Türkei (10,3 Prozent).

Zwischen den ethnischen Gruppen gebe es inzwischen "viel Feindschaft, Kampf und aggressive Dominanzspiele". Die sozial Ausgegrenzten zeigten "den Privilegierten mit der Faust, wo es langgeht". Im Vergleich zu den Vorgängen in Frankreich gelte jedoch: "Die sozialen Gegensätze und der Hass auf den Staat scheinen dort bei den Ausgegrenzten ausgeprägter zu sein als bei uns. Noch haben wir also die Chance gegenzusteuern." (APA/dpa)

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