Schwierige KV-Verhandlungen im Handel

11. November 2005, 11:48
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Positionen weit auseinander - Gewerkschaft bekommt Rückenstärkung auf Beriebsrätekonferenzen

Wien - Die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 450.000 Beschäftigte im Handel werden morgen Mittag fortgesetzt. Die ersten beiden Runden sind bis jetzt ergebnislos verlaufen. Die weitere Vorgangsweise wurde wie angekündigt in Betriebsrätekonferenzen erörtert.

Die Gehaltsverhandlungen sind heuer härter als im vergangenen Jahr, so Rolf Gleißner von der Wirtschaftskammer (WKÖ) zur APA. Die Positionen liegen noch sehr weit auseinander. Bereits vor Verhandlungsbeginn mit der Störung des Weihnachtsgeschäftes zu drohen, sei kontraproduktiv gewesen.

Dritte Verhandlungsrunde

Am Donnerstag gehe man in die dritte Verhandlungsrunde. Es sei durchaus möglich, dass man heuer alle sechs geplanten Termine brauchen werde, so Gleißner.

Die Handelsgewerkschaft in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) hat eine reale Lohnerhöhung und eine Arbeitszeitverkürzung verlangt. Für die Handelsunternehmer kommt eine Arbeitszeitverkürzung nicht in Frage. Die Gewerkschaft geht bei der Lohnfindung von einer Inflation von 2,4 Prozent aus.

Die Arbeitgeber verweisen auf die schwache Umsatzentwicklung im Handel. So haben die Handelsumsätze von Jänner bis September real lediglich um 0,2 Prozent, nominell um 0,8 Prozent zugelegt, so Gleißner.

Metaller als Vorbild

Die Gewerkschaft will heuer jedenfalls deutlich besser abschließen als vor einem Jahr. Damals hatten sich die Sozialpartner auf eine Erhöhung der Mindestlöhne um durchschnittlich 2,1 Prozent unter Beibehaltung der Überzahlungen geeinigt. Messlatte ist jedenfalls der diesjährige Abschluss der Metaller von 3,1 Prozent.

"Wir haben klare Zielvorstellungen", so der stellvertretende GPA-Geschäftsführer Karl Proyer zur APA. Um die Kaufkraft der Beschäftigten zu stärken, müsse der Abschluss deutlich über der Inflationsrate liegen.

Jede Branche verhandle ihren eigenen Kollektivvertrag. Er gehe davon aus, dass der Metallerabschluss von 3,1 Prozent der Volkswirtschaft sehr gut tun werde. Ziel im Handel sei jedenfalls ein guter Abschluss.

Forderungen der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben wie in den vergangenen Jahren mit einem eigenen Forderungspaket gekontert. Sie wollen unter anderem Erleichterungen bei der Wochenendbeschäftigung, wie die Lockerung der "Schwarz-Weiß-Regelung" am Samstag, wonach Mitarbeiter grundsätzlich nur jeden zweiten Samstag eingesetzt werden können. Weiters wünschen sich die Unternehmer eine monatliche Kündigungsfrist statt wie derzeit zum Quartal.

Bei den Beriebsrätekonferenzen, die in Wien und den Bundesländern abgehalten wurden, war die Zustimmung zu den Gewerkschaftsforderungen und zu möglichen Aktionen sehr hoch hieß es dazu in der GPA. Beobachter gehen davon aus, dass die Verhandler noch einen weiteren Doppeltermin am 17. und am 18. November brauchen werden, wodurch das Weihnachtsgeschäft überschattet werden könnte. (APA)

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