Chronologie im Fall Wague

6. Dezember 2005, 09:18
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Über zwei Jahre bis zur erstinstanzlichen Entscheidung

Wien - Es war deutlich nach Mitternacht, als der 33-jährige Mauretanier Seibane Wague am 15. Juli 2003 im Zuge einer Amtshandlung im Wiener Stadtpark ums Leben kam. Die polizeiliche und strafgerichtliche Aufarbeitung hat einige Zeit benötigt. Annähernd zwei Jahre und vier Monate sind vergangen, ehe die Causa am Mittwoch, 9. November 2005, zumindest in erster Instanz erledigt werden konnte. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse.

  • 15. Juli 2003: Die Polizei wird um 00.40 Uhr vom Leiter des so genannten Afrikadorfes in den Stadtpark gerufen, weil der dort als Nachwächter beschäftigte, aus Mauretanien stammende Seibane Wague nach einem heftigen Streit nicht zu beruhigen ist. Beim Eintreffen der Beamten und eines Rettungswagens - die Einsatzkräfte gehen von einer "tobenden Psychose" aus - scheint sich die Situation zunächst zu entschärfen. Als Wague jedoch unvermutet aus dem Rettungswagen springt und davon laufen will, wird er von sechs Beamten und drei Sanitätern minutenlang mit bereits gefesselten Händen in Bauchlage am Boden fixiert. Der anwesende Notarzt schreitet nicht ein. Ein Herz-Kreislauf-Versagen ist die Folge. Im Spital, in das Wague Spital eingeliefert wird, wird sein Tod festgestellt.

  • 18. Juli 2003: Die Wiener Rettung suspendiert die beteiligten Sanitäter und den Notarzt. Ein von einem Anrainer aus einer Entfernung von rund 250 Meter mitgeschnittenes Video taucht auf, das den reglos am Boden liegenden Wague zeigt. Mehrere Uniformierte stehen um ihn bzw. auf ihm, der Notarzt mit den Händen in den Hosentaschen daneben. Es wird keine Erste Hilfe geleistet. Als Wague später auf eine Bahre gelegt werden soll, fällt der offenbar Bewusstlose zu Boden.

  • 19. Juli 2003: Das Innenministerium übernimmt die Ermittlungen.

  • 22. Juli 2003: Eine im Afrikadorf errichtete Gedenkstätte, die an Wague erinnern soll, fällt einem nächtlichen Brandanschlag zum Opfer. Die Täter werden nie ausgeforscht. Das Stadtgartenamt verlangt dafür später von den Betreibern eine Entschädigung für sechs verbrannte Bäume, wird aber von der Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina (S) "zurück gepfiffen".

    Die beteiligten Polizisten versehen unterdessen wieder Dienst. Die Bundespolizeidirektion Wien hält in einer Aussendung fest: "Nach erfolgter Beruhigungsspritze hatten die Beamten keinen Grund anzunehmen, dass sich Seibane Wague in Lebensgefahr befand. Dies insbesondere, da er kurz vorher noch äußerst aktiv war. Auf Grund der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen erscheint eine Suspendierung zum gegenständlichen Zeitpunkt nicht aufrecht zu erhalten."

    Das Austrian Network Against Racism (ANAR, österreichisches Netzwerk gegen Rassismus) fordert den Rücktritt von Innenminister Ernst Strasser (V), der sich vor die Polizisten stellt und vor einer "Vorverurteilung" warnt: Die Beamten hätten "entsprechend den Vorgaben gehandelt und sich der Situation angepasst verhalten".

    Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigt Vorerhebungen wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Ermittelt wird vorerst gegen unbekannte Täter. (APA)

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