Bisky: "Votum ist keine Ausgrenzung Ostdeutscher"

12. November 2005, 10:50
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Stattdessen: "Urteil über eine ostdeutsche Biografie"

Berlin - Der auch im vierten Wahlgang als Bundestagsvizepräsident gescheiterte Linkspartei-Vorsitzende Lothar Bisky sieht in dem Votum keine generelle Ausgrenzung Ostdeutscher.

"Ich sehe, dass es ein Urteil ist über eine ostdeutsche Biografie wie ich sie habe", sagte Bisky am Mittwoch im Deutschlandfunk. Er sei ein loyaler DDR-Bürger gewesen, und er glaube, solche Lebensläufe würden nicht akzeptiert, wenn er die "hassgeschwollenen" Reden im Bundetag höre. Er schmolle nicht über seine Niederlage. Die Mehrheit des Bundestags habe ihn nicht als Repräsentanten gewollt. "Diese Klarheit ist gut." Er werde die gewonnen Zeit für die Stärkung der Linkspartei nutzen.

Kritik Gysis an Kiesinger

Zur scharfen Kritik seines Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi wollte sich Bisky nicht äußern. Gysi hatte am Dienstag an den Bundeskanzler der großen Koalition der 60er Jahre, Kurt Georg Kiesinger, erinnert. Im Gegensatz zu dem CDU-Politiker habe Bisky "in seiner Jugend nicht 'Mein Kampf' von Adolf Hitler gelesen und war davon auch nicht begeistert", sagte Gysi. Eine "zweite Schwäche" Biskys bestehe darin, dass er nicht wie Kiesinger in die NSDAP eingetreten sei und auch nicht im Nazi-Propagandaministerium gearbeitet habe.

Nach der Wahlschlappe hatte die Linkspartei beschlossen, zunächst keine Neuwahl des Vizepräsidenten zu beantragen und das Präsidium unvollständig zu lassen. (Reuters)

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