Neue Verhandlungen über nordkoreanisches Atomprogramm

11. November 2005, 07:56
posten

USA: Gegenleistungen erst mit Ende des Atomprogramms denkbar - Pjöngjang über Bush-Äußerung in Brasilien verärgert

Peking/Seoul - Überschattet von neuen Spannungen sind die Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms wieder aufgenommen worden. Als Vermittler rief China zu Beginn der fünften Runde der Sechs-Nationen-Gespräche am Mittwoch in Peking alle Beteiligten zu einer "flexiblen und pragmatischen" Haltung auf. Japan schlug zwei Arbeitsgruppen vor, um über das Atomprogramm sowie die Wirtschafts- und Energiehilfe im Gegenzug zu verhandeln. Die USA forderten zu allererst eine Beseitigung aller Atomwaffen und Nuklearanlagen, bevor über die nordkoreanische Forderung nach Lieferung eines Leichtwasserreaktors gesprochen werden könne.

Kim Jong Il als "Tyrannen" beleidigt

Verärgert beschuldigte Nordkorea die USA, lediglich einen Regimewechsel anzustreben, weil Washington jüngst als Ziel ein "Ende der Tyrannei" formuliert habe. Das Außenministerium in Pjöngjang warf US-Präsident George W. Bush zudem vor, bei einem Besuch in Brasilien den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il als "Tyrannen" beleidigt zu haben. "Falls das stimmt, dann wären seine Äußerungen ein glatter Verstoß gegen den Geist der gemeinsamen Erklärung der Sechs-Länder- Gespräche, die "Respekt der Souveränität" und "friedliche Koexistenz" verlangt", hieß es laut der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Die Bemerkungen stellen laut KCNA die Umsetzung der Erklärung vom September in Frage, in der Nordkorea ein Ende des Atomwaffenprogramms im Gegenzug für Wirtschaftshilfe und politische Normalisierung zugesagt hatte. Bush hatte nach Medienberichten Japan als engen US-Verbündeten im Umgang mit einem "Tyrannen" in Nordkorea gelobt, ohne Kim Jong Il beim Namen zu nennen. Die Gespräche der Unterhändler Nordkoreas, der USA, Chinas, Südkoreas, Japans und Russlands in Peking sollen diesmal voraussichtlich nur drei Tage dauern und auf einen "Umsetzungsplan" für die gemeinsame Erklärung zusteuern.

Zeitplan zur Umsetzung

Strittig sind aber das Ausmaß des Atomprogramms, die Existenz einer Urananreicherung, die Bedingungen und Reihenfolge der einzelnen Schritte und Gegenleistungen. Dem verarmten, stalinistischen Land winken Energie- und Wirtschaftshilfen sowie eine politische Normalisierung. Südkoreas Außenministers Ban Ki Moon sagte in Seoul: "Die fünfte Runde der Sechser-Gespräche dient dem Zweck, einen Zeitplan zur Umsetzung des Abkommens vom September aufzustellen." (APA/dpa)

Share if you care.