Ermittlungen gegen türkischen Verleger Fatih Tas

20. November 2005, 20:00
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Vorwurf der Staatsbeleidigung wegen Veröffentlichung eines Buches des US-Autors Tirman

Istanbul- Gegen den türkischen Verleger Fatih Tas wird nach dessen Angaben wegen der Übersetzung eines Buchs von US-Autor John Tirman ermittelt. Tas werden Beleidigung des türkischen Staats und des Republikgründers Atatürk vorgeworfen. Der Besitzer des pro-kurdischen Verlags Aram veröffentlichte "Spoils of War: The Human Cost of America's Arms Trade" von Tirman, dem Direktor des Zentrums für internationale Studien am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der 26-jährige Tas erklärte am Dienstag, ihm drohten sechs Jahre Haft.

Das Buch handelt von den US-Militärbeziehungen zur Türkei und kritisiert türkischen Nationalismus und die Behandlung der kurdischen Minderheit, insbesondere während eines 15 Jahre dauernden Kurden-Aufstands im Südosten des Landes ab Anfang der 80er Jahre. Autor Tirman sagte, das Vorgehen der türkischen Behörden werfe mit Blick auf die angestrebte EU-Mitgliedschaft Fragen hinsichtlich der Einhaltung demokratischer Normen auf.

Demokratie brauche Platz für Debatten

Wenn die Türkei dem Westen angehören wolle, müsse sie diese Art von Debatte dulden - "über die Kurden, über die Auswirkungen von Nationalismus und so weiter", sagte Tirman. Die in seinem Buch behandelten Themen bewegten sich klar innerhalb der Grenzen politischer Debatte im Westen, und mit Kontroversen über Nationalismus oder ethnische Zugehörigkeit "müssen wir uns in einer Demokratie die ganze Zeit beschäftigen".

Tas soll am 17. November vor einem Gericht in Istanbul erscheinen. Gegen ihn werde in rund 25 weiteren Fällen ermittelt, erklärte er. Wegen der Veröffentlichung eines Buchs des US-Linguisten und politischen Aktivisten Noam Chomsky stand Tas bereits vor Gericht. Die Vorwürfe wurden in dem Prozess, zu dem Chomsky anreiste, fallen gelassen. (APA/AP)

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    Der Verleger Fatih Tas (r.) bei der Begrüßung seines Gastes Noam Chomsky (l) in Istanbul. Die Kinder trugen zu diesem Anlass im Jahr 2002 traditionelle kurdische Kleidung.

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