Lenovo verordnet IBM-PCs Kulturrevolution

17. November 2005, 09:54
posten

Der chinesische Konzern Lenovo übernahm im Mai die PC-Sparte von IBM und stieg zum weltweit drittgrößten Hersteller auf - DER STANDARD sprach mit Chairman Yuanqing Yang und Europa-Chef Milko van Duijl

"Der Grund, warum sich IBM von seiner PC-Sparte getrennt hat, ist simpel: Das PC-Geschäft wird weltweit immer mehr zu einem Massengeschäft, und ohne Produkte für das Billigsegment kann niemand mehr überleben. IBM wollte aber nicht in das untere Preissegment expandieren." Milko van Duijl, früher Chef der IBM-PC-Sparte für Europa, den Mittleren Osten und Afrika und nun in gleicher Position bei Lenovo, erklärt den überraschenden Verkauf der Industrie-Ikone von "Big Blue" an den chinesischen Hersteller im Mai und stellte nun erstmals die neue Marktstrategie von Lenovo vor.

Sponsor

Starten will Lenovo - bisher hauptsächlich in China tätig - mit umfangreichen Aktivitäten nach den Olympischen Spielen in Turin diesen Winter. Nach Olympia deswegen, da Lenovo als großer Sponsor der Spiele auftritt.

Die Produktpalette bleibt vorerst streng getrennt: Die von IBM übernommenen "Thinkpads" bleiben im teureren Businesssegment und werden auch in den nächsten Jahren das IBM-Logo tragen. Mit der neuen Z-Serie wurde die Modellpalette allerdings bereits nach unten erweitert, und hier sollen dann auch die reinen Lenovo-Produkte anschließen, die für den "Consumer-Markt", also eher für private Anwendungen und kleinere Unternehmen, gedacht sind.

"Aggressives Wachstum in allen Bereichen ist unser oberstes Ziel"

Für die bisher doch sehr distinguiert auftretende Marke Thinkpads könnte sich die eine oder andere Kulturrevolution ergeben. "Aggressives Wachstum in allen Bereichen ist unser oberstes Ziel", skizziert Aufsichtsratschef (Chairman) Yuanqing Yang die weitere Strategie. Dabei wird verstärkt auch auf neue Vertriebsschienen gesetzt. Dass die reinen Lenovo-Geräte vor allem über Ketten wie Media Markt, Saturn, Hartlauer und Cosmos vertrieben werden, liegt auf der Hand. Noch nicht ganz sicher sind sich die Manager hier bei den Businessgeräten. Während Österreich-Chef Paul Suppan unterstreicht, dass Thinkpads "ein Fachhandelsprodukt bleiben", lässt sich Milko van Duijl die Türen offen: "Niemand hindert uns, Businessgeräte auch über Elektronikmärkte zu vertreiben. Es ist allerdings hier noch keine Entscheidung gefallen."

Riesiges Wachstum

Besonders vom Heimmarkt China erwartet sich Lenovo einen gewaltigen Schub. Marktforschern zufolge soll der weltweite PC-Markt von 178 Millionen Stück 2004 auf 273 Millionen Einheiten 2009 wachsen, ein Plus von 53 Prozent. 89 Prozent dieser Zunahme sollen auf Laptops entfallen, nur elf Prozent auf herkömmliche Tischgeräte. Die Nachfrage nach PCs in China soll in diesem Zeitraum um 14 Millionen Stück pro Jahr wachsen.

Lenovo will hier vor allem durch seine Standortvorteile punkten: Aus den Fabriken in Shenzhen nahe Hongkong kommen jährlich sechs Millionen Geräte, die in alle Welt exportiert werden. "Wir haben hier zum einem einen Computercluster, wo auch alle Zulieferer sehr nahe liegen, ein tolles Angebot an bestens ausgebildeten Ingenieuren und Arbeitern und eine ausgezeichnete Anbindung an internationale Speditionen," meint der ebenfalls von IBM übernommene Leiter einer Fabrik im Gespräch mit dem STANDARD. (Michael Moravec aus Peking, DER STANDARD, Printausgabe, 9. November 2005)

Links

Lenovo

IBM

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.