Im Spiegel-Bild ist Linz Arsch der Welt

11. November 2005, 15:07
109 Postings

Bürgermeister Dobusch ärgert sich über Artikel in deutschem Nachrichtenmagazin

Linz – Wer hört schon gerne, dass er am Arsch der Welt zu Hause ist? Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP) jedenfalls nicht. Und daher reagiert er recht verschnupft, wenn man ihn auf einen Artikel in der aktuellen Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel anspricht, in dem Oberösterreichs Landeshauptstadt derart unschmeichelhaft beschrieben wird.

"Ghetto-Stadt Österreichs"

„Linz ist der Arsch der Welt: Chemie, Langeweile, Drogen“ und „die Ghetto-Stadt Österreichs, das Härteste, was Österreich zu bieten hat“, findet sich im Kulturteil des Magazins (siehe Faksimile) in einer Geschichte über den Prozess gegen den deutschen Rapper Bushido, der, wie berichtet, in Linz wegen Körperverletzung vor Gericht stand.

„Es ist mir ziemlich wurscht, was irgendein Rapper sagt. Es interessiert mich nicht“, gibt sich Stadtchef Dobusch enerviert, liest er aus dem Artikel doch heraus, dass nur die Aussage des Rappers wiedergegeben worden ist.

"Meine Interpretation"

Das stimmt allerdings nicht, wie Spiegel-Redakteur Wolfgang Höbel auf Standard-Anfrage bestätigt. „Das ist meine Interpretation. An diesem Prozesstag wurde dieses Bild der Stadt gezeichnet – mit den Zeugen, die sich als Gettokinder darstellten.“ Außerdem sei es ein nebliger Tag gewesen, was den meisten Städten der Welt nicht so gut bekommt – „aber ich bin mir sicher, Linz ist auch ganz schön“, gibt sich der Journalist konziliant.

Groll

Bürgermeister Dobusch ist dennoch verärgert, auch wenn er keine Reaktionen setzen will. „Das hält Linz wirklich aus. Und außerdem gibt es so viele gute Geschichten über Linz in den Medien, aber da ruft dann nie wer an“, grollt der Politiker. Zu einem neuen Besuch will er Höbel nicht einladen. Dafür besteht aber auch kein Bedarf: Er wird wohl von allein wiederkommen. Denn wenn Linz im Jahr 2009 Kulturhauptstadt Europas wird, „werde ich ganz bestimmt darüber berichten“, verspricht er. Und bei der jährlichen Ars Electronica können auch seine Branchenkollegen ihr Urteil fällen. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 09.11.2005)

Link

SPIEGEL
  • Artikelbild
    screenshot: www.spiegel.de
Share if you care.