"EU-Agraroffert geht zu weit"

11. November 2005, 17:33
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Landwirtschaftskammer-Präsident Schwarzböck befürchtet Preisdruck und Landflucht - Keine weiteren Zugeständnisse

Wien - Das Angebot, das EU-Handelskommissar Peter Mandelson Ende Oktober der Welthandelsorganisation (WTO) vorgelegt hat, geht Rudolf Schwarzböck, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich und des Europäischen Bauernverbandes Copa zu weit. Neue Zugeständnisse würden den EU-Markt für Lebensmittel noch stärker öffnen und den europäischen Bauern einem Konkurrenz- und Preisdruck aussetzen, dem sie nicht standhalten können.

"In der EU-15 beziehen rund 15 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft. Wir können nicht hinnehmen, dass die EU-Kommission tausende Arbeitsplätze aufs Spiel setzt, nur um es den Vereinigten Staaten und den großen Exporteuren wie Brasilien, Australien, Kanada und Neuseeland zu ermöglichen, ihre Anteile am EU- und Weltmarkt zu steigern", sagte er.

Importpreise weit unter EU-Preisen

Auf Basis des jüngsten Vorschlages der Kommission, der eine Zollsenkung um durchschnittlich 46 Prozent vorsieht, hat die Landwirtschaftskammer errechnet, dass der Kilopreis für Rindfleisch aus Brasilien auf 4,7 Euro sinken würde; konkurrenzlos zum durchschnittlichen EU-Preis von sieben Euro. Ähnliche Berechnungen wurden für Geflügel, Schweinefleisch, Butter, Milcherzeugnisse und Zucker angestellt. Immer liegt der Importpreis unter dem europäischer Produzenten.

Europas Bauern müssten durch die EU-Agrarreform, die spätestens bis 2007 bei allen Mitgliedern umgesetzt sein muss, bereits massive Preissenkungen hinnehmen, erklärt Schwarzböck. Weitere Zugeständnisse könne der europäische Bauernstand nicht verkraften. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2005)

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    Für Rudolf Schwarzböck stehen "tausende Arbeitsplätze" auf dem Spiel

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