Ablehnung der Tiwag-Pläne ungebrochen

10. November 2005, 11:12
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Der Alpenverein kämpft weiterhin um letzte frei fließende Gletscherbäche

Innsbruck – Als "hart, aber fair" bezeichnet Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer die erste Gesprächsrunde mit Vertretern der 28 Gemeinden, die von den geplanten Speicherkraftwerksprojekten betroffen sind. Gespräche haben auch mit Grundeigentümern und Bürgerinitiativen stattgefunden. Im August wurde die Tiwag von der Landesregierung beauftragt, vier von ursprünglich 16 Projekten vertieft zu untersuchen.

Die Kraftwerke Sellrain/Silz und Kaunertal sollen durch Bachzuleitungen und neue Stauseen erweitert werden, im Malfontal und bei Matrei in Osttirol geht es um Neubauten. Im Frühjahr 2006 sollen die endgültigen Entscheidungen fallen.

"Demokratie ist teuer"

„Demokratie ist teuer, Drüberfahren wäre billiger“, begründet Wallnöfer die anhaltende Inseratflut in Tiroler Medien. Neben der hausinternen Öffentlichkeitsabteilung und dem langjährigen Partner Platzer-Media sind seit dem Sommer auch Hofherr-Communication und Publico mit PR-Aufgaben beschäftigt. Allein der Auftrag für die beiden letztgenannten Agenturen soll mit 1,2 Millionen Euro dotiert sein. Wallnöfer gibt über die Werbe- und PR-Budgets keine Auskunft. Symbolträchtig wurde für die Zwischenbilanz der Tiwag-Charmeoffensive das katholische „Haus der Begegnung“ gewählt.

Dialog

„Enteignungen sind für uns kein Thema, wir setzen auf den Dialog“, betont Wallnöfer und entspricht damit einer Forderung des Bauernbundes. Dessen Führung hatte sich vor drei Wochen hinter die Tiwag- Pläne gestellt.

Beim Zusammentreffen des Bauernbundobmanns Anton Steixner mit den Bauern von Matrei in Osttirol sind vorige Woche trotzdem „die Fetzen geflogen“. Dort soll an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern das Pumpspeicherkraftwerk Raneburg entstehen. In einer emotionalen Diskussion haben die betroffenen Bauern samt den lokalen Funktionären Steixner vorgeworfen, nicht die Bauern sondern die Parteilinie zu vertreten. Einige haben ihren Austritt aus dem Bauernbund angekündigt.

45 Gletscherbäche

Um den Erhalt unbeeinträchtigter Gletscherbäche will der Österreichische Alpenverein (ÖAV) kämpfen. Österreichweit zählte der ÖAV in einer 1988 durchgeführten Erhebung 45 repräsentative Gletscherbäche. Derzeit sind davon noch 19 von ihrem Ausgangspunkt bis ins vorgelagerte Talsystem unbeeinträchtigt, erklärt ÖAVRaumplaner Peter Haßlacher. Würden alle in Diskussion stehenden Tiwag-Projekte realisiert, blieben nur noch zehn übrig, neun innerhalb des Nationalparks Hohe Tauern. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 09.11.2005)

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