Bankdirektor bediente sich

10. November 2005, 09:11
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950.000 Euro für den Privatkindergarten seiner Ehefrau abgezweigt

Graz – Weil das Finanzierungskonzept für den Kindergarten seiner Frau nicht aufgegangen ist, hat ein obersteirischer Bank-Chef Kundenkonten und Sparbücher geplündert. Jetzt wurde der 38-Jährige wegen des Verdachts der Veruntreuung von rund 950.000 Euro verhaftet, wie der zuständige Staatsanwalt Reinhard Kloibhofer vom Straflandesgericht Leoben am Dienstag berichtete.

"Lappalie"

Laut Staatsanwalt war man Ende September durch einen Artikel der Kleinen Zeitung erstmals auf diese „Manipulation“ aufmerksam geworden, nachdem der Filialleiter entlassen worden war. Damals sei die Sache jedoch vom Aufsichtsrat des Instituts als eine Lappalie abgehandelt worden. Die Bank dürfte zu dem Zeitpunkt bereits eine Schadenswiedergutmachung vereinbart und offenbar auf Rechtsmittel verzichtet haben.

Trotzdem ist die Kriminalpolizei vom Gericht mit Ermittlung betraut worden, und es stellte sich heraus, dass es sich um alles andere als eine Kleinigkeit handelte. „Die Nachforschungen ergaben, dass eine sehr hohe Summe veruntreut worden ist“, erklärte Kloibhofer.

Nun müsse überprüft werden, wie der 38-Jährige genau vorgegangen ist, da es sich um eine Vielzahl von Aktionen gehandelt habe, so der Staatsanwalt. Er dürfte Geld von Kundenkonten abgebucht haben und die fehlenden Beträge mit Mitteln aus anderen Kundenkonten vorübergehend ausgeglichen haben.

"Förderungen reichten nicht"

Bei einer ersten Einvernahme gab der Mann an, dass sein Finanzierungskonzept für den Privatkindergarten, den er gemeinsam mit seiner Frau betrieb, auch Förderungen seitens des Landes und der Gemeinde vorgesehen habe. Doch diese Mittel reichten nicht. Um einen Konkurs zu vermeiden, habe er begonnen, Gelder abzuzweigen. Über den Verdächtigen wurde noch am Dienstag die U-Haft verhängt. (APA, DER STANDARD Printausgabe, 09.11.2005)

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