Dicke Luft in Seibersdorf

16. November 2005, 14:53
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Umbau des Forschungszentrums stockt - Streit um Vertragsverlängerung für Geschäftsführer Krünes bis März 2006

Wien – Der geplante Umbau des Forschungszentrums Seibersdorf stockt. Weit gehend einig sind sich die Eigentümersyndikate Infrastrukturministerium und Industrie zwar darüber, dass die vor drei Jahren installierte Holding aufgelöst und mit ihren Töchtern Business Services, Seibersdorf Research und Arsenal Research refusioniert und dann in eigenständige Bereiche nach Art von Profitcenters gegliedert wird. Bei der Umsetzung und der dazugehörigen Strategie für die Austrian Research Centers (ARC) spießt es sich aber gewaltig.

Ministeriums-Störfeuer

Das dürfte nicht zuletzt an einem Störfeuer liegen, das aus dem Infrastrukturministerium kommt. Konkret geht es um die Geschäftsführerposten, die parallel zur neuen Strategie zu vergeben sind, läuft doch der Vertrag des kaufmännischen Geschäftsführers Helmut Krünes per Jahresende aus. Da für eine Ausschreibung die Zeit zu kurz sei, bereite man in Gorbachs Ressort die interimistische Verlängerung von Krünes' Vertrag bis Ende März 2006 vor, erfuhr DER STANDARD aus Ministeriumskreisen. Ungeachtet der neuen Struktur, die die Installation einer Dreiergeschäftsführung vorsieht, versteht sich.

Das sei kein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit. Denn bis ein Vertriebschef und ein neuer Kaufmann gefunden seien (der wissenschaftliche Leiter Erich Gornik bleibt als Sprecher der Geschäftsführung erhalten, Anm.), müsse das geltende Vieraugenprinzip erhalten bleiben.

"Katastrophe"

Diese Begründung wird freilich nicht einmal im Ministerium von allen Entscheidungsträgern geteilt, von dort kamen bereits Ende August Warnungen, wonach dies der Super-GAU wäre. Hohe Kabinettsmitglieder, die anonym bleiben wollen, bezeichnen dies im STANDARD-Gespräch auch jetzt als "eine Katastrophe". Besser wäre es, Aufsichtsratschef Richard Schenz würde gemeinsam mit Gornik und diversen Prokuristen interimistisch als Finanzvorstand fungieren. Das sei laut Handelsrecht möglich, heißt es. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2005)

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