Steirische Frauenhäuser in Not

9. November 2005, 11:26
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Nachtdienste unfinanzierbar, Verein fühlt sich unter Druck gesetzt

Graz - Seit Monaten schwelt um die Frauenhäuser in Graz und Kapfenberg, die von Gewalt bedrohte Frauen und ihre Kinder aufnehmen, ein Konflikt zwischen SP-Soziallandesrat Kurt Flecker und dem Verein der Frauenhäuser. Bereits seit dem Sommer gibt es in Kapfenberg keinen Nachtdienst für die teils selbstmordgefährdeten Frauen mehr, sondern nur Rufbereitschaft.

Nun droht Geschäftsführerin Angelika Ratswohl, ab 14. November auch die Nachtdienste in Graz wegen Unfinanzierbarkeit einzustellen, obwohl gerade in der Nacht oft neue Frauen eintreffen.

Der Hintergrund, vor dem sich diese Einsparungen abspielen, hat mit der seit April geltenden Tagsatz-Regelung für die Finanzierung der Häuser zu tun. Seit dieser bekommen die Häuser je nach Belegung Geld vom Land, das bedeutet weniger, wenn weniger Frauen im Haus wohnen. Das heißt aber auch, dass bei einer Belegung von unter 60 Prozent die Infrastrukturen nicht mehr erhalten werden kann, wie ein Wirtschaftsprüfers für das Land herausfand. Flecker habe dem Verein daher das Angebot gemacht, "in so einem Fall für den Differenzbetrag aufzukommen", erklärt ein Sprecher des Soziallandesrates dem STANDARD. Der Verein habe das Angebot vor sechs Wochen angenommen, die Kritik sei unverständlich.

Die Vorsitzende des Vereins, Djamila Rieger, bestätigt zwar, dem Angebot zugestimmt zu haben, aber nur, weil man sich "unter Druck" gefühlt habe. Flecker habe in den Raum gestellt, einen anderen Trägerverein zu suchen. Da habe man unterschrieben, obwohl klar war, dass Nachtdienste so unfinanzierbar sind. Zudem "hat man uns subtil gedroht, dass Flecker sich nicht an seine Zusagen hält, wenn wir an die Öffentlichkeit gehen".

Fleckers Büroleiterin, Monika Drexel, die diese Drohung ausgesprochen haben soll, dementiert das: "Ich wollte nur wissen, ob sich der Verein noch an die Vereinbarung gebunden fühlt." Im Übrigen sei seit Langem für Donnerstag ein Verhandlungstermin fixiert. (cms/DER STANDARD, Printausgabe 09.11.2005)

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