Alitalia wird heuer privatisiert

21. November 2005, 15:28
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Der italienische Staat verzichtet auf Golden Share und damit auf Vetorecht – Alleingang ist unwahrscheinlich

Der Staat wird seine Beteiligung an der italienischen Fluggesellschaft Alitalia bis Jahresende von 62 Prozent auf 49 Prozent senken. Dies bestätigte Verkehrsminister Pietro Lunardi. Der Beteiligungsabbau des Schatzamtes war die Voraussetzung für die Billigung des Sanierungsplanes für die Fluglinie durch die EU-Kommission in Brüssel.

Erstmals in der italienischen Privatisierungsgeschichte verzichtet das Schatzamt auch auf die Goldene Aktie, die dem Staat auch bei Mindestbeteiligungen ein Vetorecht für strategisch wichtige Entscheidungen einräumt. Die Regierung in Rom kommt damit erstmals den Auflagen der zuständigen EU-Kommission in Brüssel nach.

Kapitalerhöhung

Die Privatisierung erfolgt über eine Kapitalerhöhung von rund einer Mrd. Euro. Der Staat übernimmt 450 Mill. Euro. Die Deutsche Bank als Konsortialführerin garantiert 300 Mill. Euro, Banca Intesa hat nun endgültig ihre Zustimmung für weitere 100 Mill. gegeben. Vorerst hatte die Bank eine Beteiligung am Konsortium verweigert, weil sie von Alitalia eine Revision des Geschäftsplanes, mit erhöhten Einsparungen forderte. Die Überarbeitung des Planes sei "zufrieden stellend" ausgefallen, sagte ein Banksprecher.

Die übrigen Banken, die am Konsortium teilnehmen sollen, müssen weitere 150 Mill. Euro garantieren. Kontaktiert wurden etwa Dresdner Bank, Nomura und UniCredit. Sobald die Kapitalerhöhung unter Dach und Fach ist, wird der Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche die Halbjahresbilanz testieren. Wegen der unsicheren Entwicklung hatten die Prüfer die Testierung zunächst verweigert.

Lufthansa als Partner im Gespräch

Gerüchte, wonach die Deutsche Bank Alitalia in den Bereich der Lufthansa bugsieren will, werden immer lauter. Mailänder Börsenkreise halten es nur noch für eine Frage der Zeit, bis die Gesellschaft mit einem ausländischen Partner kooperiert oder unter dessen Fittiche genommen wird. Immerhin konnte die Fluggesellschaft im dritten Quartal die Ergebnisse verbessern und verzeichnete, auch dank neuer Rechnungslegung, erstmals nach einer mehrjährigen Verlustperiode einen operativen Gewinn von 44 Mio. Euro. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2005)

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