Tamiflu derzeit für Notfälle reserviert

10. November 2005, 14:36
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Apothekerkammer: Im Fall einer Pandemie seien ausreichend Medikamente vorhanden

Wien – Die Suche nach einer Apotheke, die noch das Grippemittel Tamiflu führt, gerät in Österreich zur Glückssache. Fast überall ist das Präparat ausverkauft. Der Grund für die Knappheit liegt weniger an der schieren Nichtexistenz von Tamiflu in Österreich, als an der Distributionspolitik der Herstellerfirma Roche.

Da man noch nicht wisse, wie viele Patienten diesen Herbst und Winter akut am "normalen" Grippevirus Influenza erkranken, würden die momentanen Kapazitäten für Menschen mit akuten Virusinfektionen reserviert, sagt Martin Hangarter, Chef von Roche Österreich.

"Hysterie"

Der Run auf den Virenblocker ist indes ungebrochen, auch wenn Jutta Pint, Pressesprecherin der Apothekerkammer, die Hysterie nicht nachvollziehen kann. Sollte die Pandemie wirklich ausbrechen, seien ausreichend Medikamente vorhanden. Die Apotheker hätten für diesen Fall sogar angeboten, Virenblocker zum Selbstkostenpreis abzugeben, so Pint. Auf keinen Fall solle das Präparat vorsorglich eingenommen werden, sondern erst bei Grippeanzeichen.

Auch bei der größten europäischen Internetapotheke "Doc Morris" ist Tamiflu ausverkauft. Überhaupt ist der Bezug von Medikamenten aus dem Ausland über das Internet problematisch, weil etwa ein in Deutschland lizensiertes Tamiflu nur in Deutschland vertrieben werden darf. Auch wenn es sich nicht von einem "österreichischen" Tamiflu unterscheidet.

Nur mit Rezept Trotzdem ist es möglich, mit einem österreichischen Rezept im EU-Ausland Tamiflu zu erwerben. Allerdings muss das Präparat vor Ort in einer Apotheke gekauft werden. Der Vorteil: Neben der Verfügbarkeit ist das Präparat oft günstiger zu haben. In Deutschland kostet eine Ration rund 33 Euro. Ein nicht zu verachtender Faktor, denn keine Österreichische Krankensasse übernimmt momentan die Kosten für das Medikament (44 Euro). Ausdrücklich warnen virtuelle wie reale Apotheker außerdem: Wer das Medikament über das Internet rezeptfrei beziehe mache sich strafbar. (Florian Ranner, DER STANDARD Printausgabe, 09.11.2005)

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