Israel: Interne Vorwahlen über neuen Vorsitzenden in Arbeiterpartei

10. November 2005, 13:40
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Shimon Peres will es noch einmal wissen

Einen Neustart, der sie wieder an die Macht bringen soll, will Israels Arbeiterpartei mit ihren internen Vorwahlen auslösen, doch die drei Kandidaten, unter denen die 100.000 Parteimitglieder heute den neuen Vorsitzenden wählen können, sind nicht gerade Stimmenmagneten. Favorit ist wieder einmal der mittlerweile 82-jährige Shimon Peres, der schon fast alle Regierungsämter ausgeübt, aber fast alle Wahlen, denen er sich über die Jahrzehnte stellte, verloren hat.

Deshalb war man im Peres-Lager nervös - auch wenn sich kaum jemand den Herausforderer, den hemdsärmeligen Gewerkschaftschef Amir Peretz (53), in hohen Führungspositionen vorstellen kann. Ohne Aussichten ist Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser, der schon einmal für kurze Zeit Parteichef war.

Hickhack

Der Ausbruch der Intifada, der im Jahr 2000 das Ende des von der Linken getragenen Oslo-Prozesses markierte, hatte die Arbeiterpartei in eine Krise geworfen, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Inmitten des Hickhacks stand die Vaterfigur Peres für Stabilität und Kontinuität.

Der schnauzbärtige Peretz, der noch nie in einer Regierung saß, spekuliert hingegen nun auf eine "Wachablöse" und ein "politisches Erdbeben", das "die öffentliche Debatte in Israel verändern wird". Sharon in der Krise Peres hofft, 40 Prozent zu erreichen und sich einen zweiten Wahlgang zu ersparen.

Der Ausgang der "primaries" hat auch Bedeutung für den Fortbestand der Regierung. Peres will die Koalition unter Premier Ariel Sharons fortsetzen, Peretz will sie beenden. Sharon bekommt die eigene Likud-Partei nicht in den Griff. Der rechte Flügel hat am Montag im Parlament die Ernennung von zwei Ministern blockiert. Ein Rücktritt Sharons in den nächsten Wochen gilt als wahrscheinlich. (DER STANDARD, Printausgabe, 9. 11.2005)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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