Nur acht Psychiater in ganz Oberösterreich

11. November 2005, 08:25
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Pro mente für Ausbau mobiler Notdienste

Linz – Das Netz der psychosozialen Hilfen in Oberösterreich hat eine große Lücke. Es fehlen niedergelassene Psychiater, was auch die Gebietskrankenkasse zugibt. In Oberösterreich gibt es derzeit nur acht von ihnen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen wächst hingegen. Mittlerweile leide jeder vierte Patient, der einen praktischen Arzt konsultiert, an einer psychischen Störung, sagt SPÖ-Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger.

"Keine Existenzgrundlage"

Zwei Gründe nennt Otto Pjeta, Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer, für die wenigen Psychiater im Land. Zum einen gebe es für diese Fachrichtung zu wenig Kassenverträge zum anderen sei ein Kassenvertrag nicht attraktiv, da er "keine Existenzgrundlage bietet". Sprich zu geringe Honorarsätze für diese zeitintensive Patientenbetreuung. Aber es laufen Verhandlungen mit der Krankenkasse für zusätzliche Stellen.

Hilfe nur in akuten Notsituationen

Ebenfalls ausbaunötig findet Werner Schöny, Leiter der Landesnervenklinik Wagner- Jauregg und Obmann des Vereins "pro mente", den mobilen Krisendienst in Oberösterreich: "Der psychosoziale Notdienst von pro mente kann zur Zeit nur im Raum Linz und Steyr Menschen in akuten Notsituationen, etwa bei Suizid-Gefahr, erste Hilfe leisten." Ein Senken der Selbstmordrate ist jedoch das deklarierte Gesundheitsziel für 2005 in Oberösterreich, sagt Stöger. 2003 nahmen sich in Oberösterreich 236 Menschen das Leben, voriges Jahr 224. Dabei begingen mehr Männer (180) als Frauen (44) Suizid.

Mangelnde Prophylaxe

Als eine Ursache nennt die Gesundheitslandesrätin die mangelhafte Früherkennung wie beispielsweise Depressionen. Erste Symptome dieser Erkrankung seien geschlechtsspezifisch verschieden, meint die gelernte Medizinerin: "Frauen ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, Männer werden aggressiv und neigen zu Selbstverletzungen." Über Depressionen und deren geschlechtsspezifisches Krankheitsbild existiere lediglich theoretisches Wissen, Fakten aber fehlen, bemängelt Stöger.

Pro mente bietet jedenfalls praktischen Ärzten Fortbildungen zu diesem Thema. Seit 40 Jahren betreut der Verein Menschen mit psychosozialen Störungen. 24. 000 Oberösterreicher haben voriges Jahr Hilfe von pro mente in Anspruch genommen. (ker, DER STANDARD Printausgabe, 09.11.2005)

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