STANDARD-Interview: Republik Wienerberg

14. Dezember 2005, 21:59
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Stadtförster Uwe Skacel über seine Aufgaben und Unterschiede zu klassischen Förstern

DER STANDARD: Wald in der Stadt und Stadtförster, das klingt einigermaßen paradox.

Uwe Skacel: Wenn Sie so wollen, ist das "Projekt Wienerberg" eine einzige Skurrilität. Es ist ein Panoptikum der unterschiedlichsten Typen. Alles was hier zu sehen ist wurde geplant. Und das macht auch das Besondere an diesem Gebiet aus. Unser Modell macht Schule und dient auch als Vorbild für andere Städte, die von unseren Erfahrungen profitieren.

DER STANDARD: Wie ist Ihr Selbstverständnis als Förster in der Stadt?

Skacel: Ich bin seit zehn Jahren Förster am Wienerberg. Mein Aufgabengebiet hier unterscheidet sich gewaltig von dem eines "klassischen" Försters. Wir betreiben hier zum Beispiel keine Forstwirtschaft im herkömmlichen Sinn. Die Holzproduktion hat keinen Stellenwert.Im Vordergrund steht die Erlebbarmachung des Waldes für Ausflügler.

DER STANDARD: Stoßen Sie öfters auf Vorurteile, oder werden Sie belächelt?

Skacel: Natürlich wird das von Kollegen der klassischen Zunft manchmal belächelt. Ein normales Forstrevier ist in der Regel gut zehnmal so groß wie das hier am Wienerberg. Der Förster muss in seinem Revier normalerweise auch bestimmte Jagd- und Abholzquoten erfüllen. Das fällt bei uns weg. Bei uns steht der Kunde, der Ausflügler, im Mittelpunkt. Wir betrachten unsere Besucher als Kunden, die sich hier wie im Supermarkt um Freizeitaktivitäten anstellen.

DER STANDARD:Was unterscheidet Sie von einem klassischen Förster?

Skacel: Wir müssen oft schneller und flexibler reagieren als ein Förster, der in seinem großen Wald sitzt und kaum eine Menschenseele zu Gesicht bekommt. Er kann der Natur mehr oder weniger ihren freien Lauf lassen, das geht hier nicht.

DER STANDARD:Welche Interessen verfolgen die Menschen hier?

Skacel: Prinzipiell kann sich hier jeder austoben. Wir nennen das Revier auch "Republik Wienerberg". Weil hier alles erlaubt ist und hier eigene Gesetze gelten. (max; RONDO Spezial, 9.11.2005)

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    foto: christian fischer
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