Dokumente von Terror und Verfolgung

10. November 2005, 19:05

Das DÖW hat seine Dauerausstellung erweitert und aktualisiert, am 8. November wurde eröffnet

Wien - Das Gedenkjahr ist um einen wichtigen Beitrag reicher: Um einen Raum erweitert, aktualisiert und offener präsentiert sich, die neue Dauerausstellung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW), die am 8. November eröffnet wurde. Auch inhaltlich ist der Bogen weiter gespannt: Die Themen reichen von der Vorgeschichte des Nationalsozialismus über Verfolgung und Widerstand während der NS-Zeit bis zur Entnazifizierung, Entschädigung und Aufarbeitung nach 1945.

"Durch die Gegenüberstellung von Propagandamythen mit dem Terror sollen besonders junge Menschen begreifen, warum ihre Großeltern reihenweise auf das Regime hereingefallen sind", erklärt Brigitte Bailer-Galanda, wissenschaftliche Leiterin des DÖW. "Gewisse Mythen sind ja heute noch gängig, und in vielen Ländern wird immer noch versucht, mit ähnlichen Mitteln Politik zu machen", betont Bailer-Galanda.

Mailath-Pokorny: Neugestaltung war "überfällig"

Neben der Darstellung der Chronologie des "Anschlusses" und der Entrechtung und Deportationen der Juden werden auch Schwerpunkte wie die Verfolgung von Roma, Sinti und Homosexuellen, der Widerstand der Kärntner Slowenen, Zwangsarbeit und NS-Medizin beleuchtet. Fotos und Originalgegenstände dokumentieren aber auch persönliche Schicksale, wie das des Widerstandskämpfers Leopold Grüner, dessen Leben vom Hochzeitsfoto bis zur Todesnachricht verfolgt wird. Weiters ist die Namensliste der ersten Deportation, die vom Wiener Aspanghof Richtung Polen führte, zu sehen. Nicht zuletzt ermöglichen Computerterminals eine vertiefende Recherche zu allen Themen.

Die Neugestaltung sei "überfällig" gewesen und wichtig für die Aufklärung über die NS-Zeit, sagte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP), der die Finanzierung der 180 Quadratmeter großen Schau möglich machte. Die Ausstellung, deren Eingang in den Hof des Alten Rathauses verlegt wurde, soll künftig als Schnittstelle zwischen dem DÖW und der Öffentlichkeit dienen und für Veranstaltungen zur Verfügung stehen, versprach Bailer-Galanda. (kri; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2005)

  • Propaganda- 
mythen sind ein Schwerpunkt der neuen Ausstellung im Alten Rathaus.
    foto: aps

    Propaganda- mythen sind ein Schwerpunkt der neuen Ausstellung im Alten Rathaus.

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