Lufthansa mit weniger Passagieren

21. November 2005, 15:28
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Europas zweitgrößte Fluggesellschaft schnitt damit schlechter ab als Konkurrenten wie Air France-KLM und British Airways - Sparprogramm trägt bereits Früchte

Frankfurt - Die Deutsche Lufthansa hat im Oktober erstmals seit gut einem halben Jahr wieder weniger Passagiere transportiert als im gleichen Vorjahresmonat. Die Zahl der Fluggäste ging nach Angaben vom Dienstag um 2,1 Prozent auf 4,65 Millionen zurück, die Auslastung der Maschinen fiel um 0,8 Prozentpunkte auf 74,7 Prozent. Die für den Umsatz wichtige Zahl der verkauften Passagierkilometer stieg auf Grund von Zuwächsen bei Langstreckenflügen um 0,6 Prozent auf 9,63 Milliarden. Das Frachtgeschäft ging um 4,3 Prozent auf 157.000 Tonnen zurück.

Europas zweitgrößte Fluggesellschaft schnitt damit schlechter ab als Konkurrenten wie Air France-KLM und British Airways, die im Oktober Passagierzuwächse verzeichneten. Die Lufthansa Aktie drehte nach Bekanntgabe der Verkehrszahlen ins Minus.

Experten halten höhere Prognose für möglich

Die Führungsriege der Lufthansa ist bei Geschäftsausblicken traditionell zurückhaltend. Etliche Experten rechnen aber anlässlich der für Donnerstag erwarteten Neun-Monatsbilanz mit einer Anhebung der Jahresprognose 2005. Allerdings verläuft das vierte Quartal in der Luftfahrt generell schwach. Und die am Dienstag vorgelegte Verkehrsbilanz für den Monat Oktober fiel mit einem Rückgang der Passagierzahlen schlechter aus als bei Konkurrenten.

Entscheidend sei, wie sich die Erträge im Passagierflug, dem Kerngeschäft von Lufthansa, entwickeln, sagt HVB-Analyst Uwe Weinreich. "Wenn das operative Ergebnis der Passage über dem Vorjahr liegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Lufthansa die Jahresprognose anhebt."

Operativ klar über 400 Millionen Euro

Einig sind sich die Analysten, dass Europas zweitgrößte Fluggesellschaft bereits bis Ende September ein operatives Ergebnis klar über 400 Mio. Euro erzielt hat. Der Durchschnittswert der Schätzungen liegt bei knapp 500 Mio. Euro. Damit würde das im August vorsichtig über das Vorjahresniveau (383 Mio.) auf "mehr als 400 Mio. Euro" angehobene operative Jahresziel bereits erreicht.

"Es spricht nichts dagegen, dass Lufthansa den Ausblick erhöht", sagt Analyst Nils Machemehl von MM Warburg. Wenn nicht, müsse man sehr genau die Beweggründe betrachten. "Die Rahmenbedingungen für die Luftfahrt waren im August noch sehr viel unsicherer", sagt JP-Morgan-Analyst Chris Avery.

Positive Einschätzungen

Die positiven Einschätzungen der Analysten kaum zwei Jahre nach dem Milliardenverlust von Lufthansa gründen sich wesentlich auf zwei Entwicklungen. Die europäische Luftfahrtbranche hat sich im Gegensatz zur amerikanischen von der Krise inzwischen erholt. Ungeachtet der hohen Treibstoffkosten und des von Billigfluganbietern betriebenen Preiskampfes verbessern sich die Ergebnisse großer Fluggesellschaften, wie zuletzt vorige Woche bei British Airways abzulesen war.

Zudem trägt das von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber eingeleitete Sparprogramm Früchte, das bis Ende 2006 rund 1,2 Mrd. Euro erwirtschaften soll. In Europa kann Lufthansa den Billigfliegern zwar nur eingeschränkt Paroli bieten. Doch aus dem Langstreckengeschäft kommen höhere Erträge. Das Unternehmen konzentriert sich wieder mehr auf das Kerngeschäft und hat Beteiligungen verkauft. Als Randaktivitäten gelten auch die zu gleichen Teilen mit KarstadtQuelle gehaltene Touristikbeteiligung Thomas Cook und das Catering-Geschäft.

Warnung vor Euphorie

Die Lufthansa-Führung warnt aber trotz guter Bilanzen vor Euphorie. Jüngst forderte Mayrhuber von den Führungskräften, nicht vom Sparkurs abzurücken. Seit Monaten ringen Vorstand und Pilotengewerkschaft Cockpit um die Regionalflugtöchter. Mayrhuber möchte europaweit auch größere Maschinen mit Piloten zu niedrigeren Gehältern fliegen. Die Piloten aber halten dagegen und schließen einen Streik nicht aus. (APA/Reuters)

  • Das von Lufthansa CEO Wolfgang Mayrhuber eingeleitete Sparprogramm trägt bereits Früchte.
    foto: lufthansa

    Das von Lufthansa CEO Wolfgang Mayrhuber eingeleitete Sparprogramm trägt bereits Früchte.

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