Video-on-demand jetzt auch im US-TV

15. November 2005, 10:17
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Trendumkehr der TV-Industrie bei Shows der Prime Time

Die beiden US-Sender CBS und NBC bieten Ihren Zusehern gemeinsam mit Kabel- und Satellitenbetreibern künftig die Möglichkeit, TV-Shows zu jedem beliebigen Zeitpunkt anzuschauen. TV-Zuseher können Episoden von Prime-Time-Shows für 0,99 Dollar pro Stück ordern. CBS (eine Viacom-Tochter) kooperiert hierbei mit Comcast und NBC Universal mit Direct TV (News Corp). Die Bekanntgabe dieser Neuerung kam nur einige Wochen nach dem Deal zwischen ABC und Apple, der das Herunterladen von Folgen von "Desperate Housewives" und "Lost" auf den iPod ermöglicht.

Gemeinsam leiten diese Neuerungen einen wesentlichen Umschwung innerhalb der TV-Industrie ein, die von Beginn an eigentlich alle Formate rund um die Prime Time, der "wichtigsten Tageszeit", aufgebaut hat. Bis dato haben sich Verantwortliche immer vehement gegen die Einführung solcher "Video-on-demand"-Services gestellt, da sie befürchten, bestehende Einnahmenquellen - hier v.a. den Verkauf der Werbezeiten - zu unterminieren. Auch die Ausstrahlung von Wiederholungen stellte bisher immer eine lukrative Einnahmequelle dar.

Im Internet verfügbare Downloads kratzen bereits an dieser Wertschöpfungskette. Auch digitale Videorekorder (DVR) haben das Konsumverhalten verändert, und TV-Programme können mittlerweile ohne die Werbeunterbrechungen aufgezeichnet werden. Die neuen On-demand-Services werden laut Wall Street Journal in erste Linie mit dem Ziel abgeschlossen, Kontrolle über den eigenen Content aufrecht zu erhalten. Geld soll erst in zweiter Linie erworben werden. Die Zahl der US-Konsumenten mit einem DVR wird bis zum Ende dieses Jahres 4,5 Mio. erreichen. 2004 waren es erst 1,8 Mio.

Video-on-demand ist aber auch für deutsche TV-Sender ein Thema. Die Sat.1-Erfolgsserie "Verliebt in Berlin" kann beispielsweise jeden Tag ab elf Uhr morgens vor der TV-Ausstrahlung via Online-Stream gesehen werden. Sowohl bei RTL als auch bei ProSiebenSat.1 legen die Verantwortlichen bei diesen Angeboten viel Wert auf die Wahrung der digitalen Rechte. Auch aber vor allem wenn es darum geht, diesen Service künftig auszubauen.

Über die genauen Folgen des CBS- und NBC-Modells sind sich Experten jedoch nicht einig. Es stellt sich auch die Frage, wie viele Menschen gewillt sind, 0,99 US-Dollar für eine Episode zu zahlen, die bereits im TV gelaufen ist. Auch Werber stehen dem Prinzip On-demand eher skeptisch gegenüber. Einige schrauben bereits ihre Ambitionen im Medium TV zurück und orientieren sich anderweitig. Ein ganzheitliche Änderung im TV-Konsumverhalten sieht Niko Alm, Geschäftsführer von Super-Fi Brand Communications, heraufdämmern. "Die Fernsehgewohnheiten werden sich grundlegend ändern. Damit kommt es auch im TV zu anderen Werbeformen. Durch die technische Umgehung der Werbeblöcke hat dies u.a. zur Folge, dass immer mehr in den Content an sich - beispielsweise durch Product Placement und Sponsoring - verlegt wird", so Alm gegenüber pressetext. Es müsse künftig einfach anders als bisher geworben werden. (pte)

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