Längere Berufstätigkeit "schützt" vor Alzheimer-Erkrankung

15. November 2005, 15:20
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Studie zu Demenz am Boltzmann-Institut: Je kürzer die berufsfreie Zeit, desto besser die Chancen, erst später zu erkranken

Wien - Längere Berufstätigkeit oder das Aufnehmen einer "berufsähnlichen Tätigkeit" nach der Pensionierung schützt vor einer frühzeitigen Alzheimer-Erkrankung. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer epidemologischen Studie des Wiener Ludwig Boltzmann-Instituts für Altersforschung zum Thema Demenz.

Die weltweit bisher einzigartige VITA-Studie (Vienna Transdanube Aging) wurde unter 606 Einwohnern der Wiener Bezirke Donaustadt und Floridsdorf durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Basis-Untersuchung im Mai 2000 genau 75 Jahre alt waren. Ab Dezember 2002 erfolgte die erste Nachuntersuchung am Donauspital in Wien, die im Mai 2005 abgeschlossen wurde. Die Ergebnisse wurden am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Die Resultate der zweiten Nachuntersuchung sollen bis Dezember 2007 feststehen.

Seit der Basis-Untersuchung haben 19 Prozent von jenen, die noch nicht dement oder beginnend dement gewesen waren, eine Demenz entwickelt. Das sind 90 Personen. 89 Prozent der neu entdeckten Demenzen gehören, so Forschungsleiter Univ. Prof. DDr. Peter Fischer von der Psychiatrischen Klinik am AKH, zur Alzheimer-Krankheit.

Depression verdoppelt das Risiko

Menschen mit Depressionen haben ein doppelt so hohes Risiko, an Morbus Alzheimer zu erkranken. Dafür sind Aktivitäten wie Sport, berufsähnliche Tätigkeiten wie die ständige Kinder- oder Krankenbetreuung oder die Teilnahme in Vereinen und Clubs Schutzmechanismen. Fischer: "Je kürzer die berufsfreie Zeit, desto besser die Chance, erst später Alzheimer zu entwickeln. Das ist ein beachtliches Ergebnis."

In Österreich leiden derzeit rund 100.000 Menschen an Alzheimer. Laut Hochrechnungen werden im Jahr 2040 über 200.000 Personen dement sein. Von einer denkbaren Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 70 Jahre erwartet sich Univ. Prof. Dr. Karl-Heinz Tragl, ehemaliger Ärztlicher Leiter des Wiener Donauspitals, eine "deutliche Verzögerung".

Ziel der Studie ist es, die Früherkennung von Demenz zu verbessern. Künftig soll es auch praktischen Ärzten anhand von Schnelltests möglich sein, demente Vorstadien bei ihren Patienten zu erkennen. Diese Schnelltests werden im Rahmen der Studie mitentwickelt. (APA)

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