Premiere schreibt erstmals schwarze Zahlen

15. November 2005, 10:17
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"Wir sind das einzige große Medienunternehmen in Deutschland, dass derzeit prozentual zweistellig wächst"

Der Bezahlsender Premiere setzt bei seinen künftigen Wachstumsplänen vor allem auf eine stärkere Einschränkung der Fußball-Bundesliga-Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen. "Wir stehen vor einer historischen Wegscheide", sagte Premiere-Chef Georg Kofler am Dienstag in München. Wenn die Bundesliga wie in anderen europäischen Ländern im Free-TV am Samstag und Sonntag erst ab 22 Uhr zu sehen sein sollte, könne dies zu einem deutlichen Abonnentenzuwachs bei Premiere und zu mehr Einnahmen für den Fußball führen führen. "Ich habe die Menschenrechts-Charta der Uno studiert. Da steht nicht drin, dass Fußball um 18 Uhr zu sehen sein muss." Im abgelaufenen Quartal konnte der Börsen-Neuling Umsatz, Abonnentenzahl und Gewinn deutlich steigern.

"Wir sind das einzige große Medienunternehmen in Deutschland, dass derzeit prozentual zweistellig wächst"

2005 wird Premiere erstmals in der Unternehmensgeschichte unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben. Im dritten Quartal wurde der Gewinn auch begünstigt durch Sondereffekte wie den Verkauf des Pornokanals "Blue Movie" auf 48,7 Mio. Euro verneunfacht. Nach neun Monaten beträgt der Gewinn so 52 Mio. Euro. Im Gesamtjahr sollen es mehr als 60 Mio. Euro sein. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um gut zwölf Prozent auf 272,6 Mio. Euro. "Wir sind das einzige große Medienunternehmen in Deutschland, dass derzeit prozentual zweistellig wächst", sagte Kofler. Im Gesamtjahr sollen die Erlöse von 985 Mio. Euro auf 1,1 Mrd. Euro zulegen.

Bundeliga

Derzeit läuft die Ausschreibung für die Bundesliga-Rechte in der kommenden Saison. Dabei kann für verschiedene Modelle geboten werden. Er befürworte klar den Spielplan, der ein Freitagsspiel, fünf Samstagsspiele am Nachmittag, ein "Match of the Day" am frühen Abend und zwei Sonntagsspiele vorsehe, sagte Kofler. Dabei sollten die Spiele erst nach 22 Uhr im Free TV zu sehen sein. Für den Premiere-Chef wäre dies nur ein Stück Normalisierung. "Durch ein solches Modell könnten wir erstmals aufschließen zu den anderen europäischen Märkten." Ob Premiere nur für die Bezahl- oder wie bei der Champions League auch für die Free-TV-Rechte bietet, ließ Kofler offen. Ein Kauf des Sportsenders DSF für die Übertragung der frei empfangbaren Champions-League-Spiele ist derzeit nach seinen Angaben jedenfalls kein Thema. In Branchenkreisen wird momentan eher damit gerechnet, dass Premiere versucht, einen eigenen Sender aufzubauen.

Die Zahl der Abonnenten stieg seit Jahresbeginn bis Ende September von 3,25 auf 3,4 Millionen. Im vierten Quartal sollen netto noch einmal bis zu 190.000 Abonnenten hinzukommen. So will Premiere erstmals die 3,5-Mio.-Marke knacken. Premiere setzt aber auch verstärkt auf zusätzliche Einnahmen neben den Abogebühren. So soll der Sender Premiere Win, auf dem Pferdewetten angeboten werden, weiter ausgebaut werden. Dabei bietet Premiere künftig auch Lottospielgemeinschaften an. (APA/dpa)

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