"Bitte, vernichte die Spinne!": Anklage um Wiener SMS-Mord liegt vor

9. November 2005, 20:45
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Hausfrau "bestellte" laut Staatsanwältin per Mobiltelefon bei zwei 18-jährigen Burschen Mord am Ehemann

Wien - "Bitte, vernichte die Spinne!": So lautete die SMS, die eine 35-jährige Wiener Hausfrau am 18. August 2005 einem 18-jährigen Burschen zukommen ließ. Damit war ihr 39 Jahre alter Ehemann gemeint, mit dem sie seit längerem immer wieder Streit hatte. Der Jugendliche, als KFZ-Lehrling bei den Österreichischen Bundesbahnen beschäftigt, setzte diese Bitte in die Tat um: Nicht ein Mal eine halbe Stunde später tötete er mit einem gleichaltrigen Freund den lästigen Ehemann. Nun liegt die Anlageschrift der Staatsanwaltschaft Wien vor.

Staatsanwältin Barbara Mayer wirft darin den Burschen Mord, der Hausfrau Anstiftung zum Mord vor. Diese soll den ÖBB-Lehrling seit vergangenem Juli drei Mal um Hilfe ersucht haben, indem sie ankündigte, sie werde ihm eine SMS mit dem Inhalt "Vernichte die Spinne!" zukommen lassen. Sie forderte ihn in diesem Zusammenhang laut Anklage auf, dann vorbei zu kommen und ihren Mann zu beseitigen.

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Zu dem Verbrechen soll die Frau, die den Busfahrer 1999 geheiratet hatte und mit ihrem Mann, dem gemeinsamen fünfjährigen Sohn und zwei Kindern aus erster Ehe in eine Genossenschaftswohnung in Wien-Meidling gezogen war, auch beigetragen haben, indem sie den zwei 18-Jährigen deutliche Handzeichen gab, als diese gegen 22.00 Uhr eintrafen. Wie es in der zehnseitigen Anklageschrift heißt, fuhr sie sich mit der Hand über den Hals, flüsterte ihnen "Bitte!" zu und meinte, sie habe Angst. Dann brachte sie ihnen ein Küchenmesser.

Die Jugendlichen hatten ihr Opfer über dessen Stiefbruder kennen gelernt. Man traf einander mehrmals in der Wohnung des Buschauffeurs, um Marihuana zu rauchen. Dabei lernten sie auch seine Ehefrau kennen. Als sie mehrmals übernachteten, stellten sie fest, dass es in der Ehe Probleme gab. Der 39-jährige Mann reagierte oft jähzornig, war aggressiv. Die Frau begann, den jungen Burschen ihr Leid zu klagen.

Streit

Als ihr Mann am 18. August von der Arbeit nach Hause kam, beschimpfte er sie wieder ein Mal. Es kam zu einem Streit. Er drohte, er werde sie verlassen und den gemeinsamen Sohn mitnehmen. Da griff die Frau zu ihrem Handy und setzte die SMS ab.

Die Burschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt zufällig gerade auf dem Weg in die Wohnung - man wollte sich gemeinsam "einrauchen". Der Ehemann schöpfte daher nicht den geringsten Verdacht, als die 18-Jährigen anläuteten. Im Wohnzimmer brachte schließlich einer der beiden den Ahnungslosen zu Fall und rief seinem Freund "Mach's einfach, mach es!" zu. Dieser ergriff das von der Frau auf dem Couchtisch bereit gelegte Küchenmesser und versuchte zunächst, damit dem 39-Jährigen die Halsschlagader durchzuschneiden.

Der Mann wehrte sich heftig und kämpfte um sein Leben, als plötzlich die Klinge abbrach. Da zog einer der Burschen ein mitgebrachtes Wurfmesser aus seinem Socken. Beide stachen immer wieder auf ihr Opfer ein, laut Gerichtsmediziner 58 Mal.

Vergraben

Bei der Beseitigung der Leiche ging ihnen laut Anklage die Ehefrau zur Hand. Man verpackte den Toten in Müllsäcke, schaffte ihn in die Tiefgarage, legte ihn ins Auto eines der Jugendlichen. Die Burschen fuhren damit nach Halbturn im Burgenland, wo sie die Leiche in einem Waldstück vergruben. Sie wurden am 20. August verhaftet, nachdem die Ehefrau bereits festgenommen worden war.

Ihr droht nun in dem bevorstehenden Prozess, für den es noch keinen Termin gibt, lebenslange Haft. Die Jugendlichen müssen nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) im Fall von Schuldsprüchen mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Im gerichtlichen Vorverfahren haben sich die Angeklagten weit gehend geständig gezeigt. (APA)

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