Hintergrund: Die Himmelsscheibe von Nebra

11. November 2005, 18:44
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Einblick in die astronomischen Kenntnisse der Menschen vor dreieinhalb Jahrtausenden - Metall stammt möglicherweise aus Mitterberg

Wien - Die Himmelsscheibe von Nebra wurde 1999 von Raubgräbern mittels Metall-Detektor auf der Spitze des Mittelberges bei Nebra (Sachsen-Anhalt, Deutschland) im Bereich einer ringförmigen Wallanlage gefunden. Im Februar 2003 wurde der Fund von den Behörden sicher gestellt, seither ist die 32 Zentimeter durchmessende und über zwei Kilo schwere Scheibe aus einer Bronzelegierung Gegenstand von intensiven Forschungen einerseits und auch öffentlicher Ausstellungen andererseits.

Das Alter wird mit rund 3.600 Jahren also frühbronzezeitlich angegeben. Die Himmelsscheibe von Nebra gilt derzeit als die älteste konkrete Abbildung des Kosmos der Menschheitsgeschichte. Auf der Scheibe sind aus Goldblech - auch für den Laien eindeutig zuordenbar - Sonne, Mond und Sterne zu sehen. Die Mehrzahl der 32 Sterne wurden vom bronzezeitlichen Künstler mehr oder weniger willkürlich angeordnet. Lediglich bei einer einzigen Anordnung von sieben Sternen vermuten die untersuchenden Wissenschafter, dass es sich um die Plejaden, das Siebengestirn, handelt.

Kultobjekt oder astronomisches Instrument

Neben den Himmelskörpern waren ursprünglich gegen den Rand der Scheibe drei goldene Bögen angebracht, wovon einer verloren gegangen ist. Einer der Bögen wird als Schiff gedeutet, die beiden anderen als Horizont-Linien. So könnte es sich um ein Schiff handeln, das unter dem Nachthimmel unterwegs ist. Ob die Scheibe ein wissenschaftliches Instrument oder ein kultisches Stück darstellt, ist umstritten.

Mittlerweile wurde der Fund mittels Computertomografie durchleuchtet und dabei bestätigt, dass die Scheibe vorerst gegossen und anschießend geschmiedet worden war. Die Wissenschafter blickten auch bei zwei Bronze-Schwertern in die Tiefe, die bei der Scheibe gefunden wurden. Sie kamen zu dem überraschenden Schluss, dass die Waffen keinesfalls zum Kämpfen taugten, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit reine Prunkschwerter waren. Dies lässt Rückschlüsse über den Fundort zu.

Absolutes Unikat

Mittlerweile gilt als gesichert, dass es sich um einen so genannten Hort-Fund handelt, also um eine Art vergrabenen Schatz. Neben der Scheibe und den beiden Schwertern wurden in einer Art Steinkiste nach dem Gipfel des Mittelberges (Sachsen-Anhalt) auch noch zwei Beile, ein Meißel und zwei Armspiralen gefunden. Die Beigaben erlaubten auf Grund ihrer Machart auch eine zeitliche Einordnung. Die Scheibe selbst gilt als absolutes Unikat und kann deshalb kaum eingeordnet werden.

Bronzezeitliche Siedlungen finden sich in Europa in der Epoche zwischen 2.500 und 500 vor Christus. Auch in Österreich sind einige Orte bekannt, in denen die hauptsächlich aus Kupfer bestehende Legierung im Mittelpunkt stand, darunter Mitterberg bei Bischofshofen (Salzburg). Laut Metallurgen könnte die Region um Mitterberg sogar der Ursprung jener Bronze sein, welche für den Guss der Himmelsscheibe verwendet wurde. Das Gold dagegen dürfte aus Nordwestrumänien stammen. (APA)

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