Älteste bekannte Darstellung des Kosmos in Wien

16. November 2005, 13:13
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Naturhistorisches Museum zeigt das Original der 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra bis 5. Februar

Wien - Eines der wertvollsten archäologischen Fundstücke der vergangenen Jahre, die so genannte Himmelsscheibe von Nebra, ist am Dienstag im Naturhistorischen Museum Wien (NMW) angekommen. Das Stück ist eine Leihgabe des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt und wird bis 5. Februar in Wien zu sehen sein. Die Bronze-Scheibe ist rund 3.600 Jahre alt und zeigt in Form von Gold-Einlagen die erste bekannte Darstellung des Kosmos in der Menschheitsgeschichte. Der Kupfer-Anteil des Metalls dürfte laut Isotopen-Analysen aus dem Gebiet des heutigen Österreich stammen.

Spannende Fundumstände

Die Scheibe wurde am Dienstag vom Landeskonservator Sachsen-Anhalts, Harald Meller, an den Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, Bernd Lötsch, übergeben. Meller, der auch das Begleitbuch zur Ausstellung verfasste, sieht neben dem wissenschaftlichen Wert mehrere Gründe für das ungewöhnliche Medieninteresse an dem Fundstück. So hatten bereits die Umstände des Fundes - 1999 von Raubgräbern entdeckt, mehrfach von Hehlern verkauft und erst 2003 sichergestellt - eine gewisse Attraktivität.

Aura von Rätseln und Geheimnissen

Andererseits wird die Scheibe nach Ansicht von Meller stets mit einer gewissen Aura von Rätseln und Geheimnissen umgeben sein. Bei allem Einsatz modernster wissenschaftlicher Methoden wird es kaum jemals völlige Sicherheit darüber geben, was der unbekannte Künstler vor Jahrtausenden mit der Scheibe bezweckte. Als sicher gilt für Lötsch allerdings, dass die Scheibe echt und keine Fälschung ist, wie mehrfach behauptet. Generell sei die Bedeutung des Fundes durchaus mit der - dauerhaft im Wiener Museum ausgestellten - Venus von Willendorf und dem Eismann "Ötzi" zu vergleichen.

Erstmals außerhalb Deutschlands

Wien ist erster Ort außerhalb Deutschlands an dem die Scheibe nun ausgestellt wird. Neben Sonderführungen wird es auch ein Rahmenprogramm geben, so zeigt etwa das Planetarium Wien den Nachthimmel, wie er zur Zeit der Erschaffung der Himmelsscheibe von Nebra ausgesehen hat. Mittlerweile gibt es die Scheibe auch zum Verspeisen - im NMW sind Nachbildungen des Stückes aus Lebkuchen zu kaufen. (APA)

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    Bernd Lötsch (rechts), Direktor des Naturhistorischen Museums, empfängt die Himmelsscheibe vom Kultusminister von Sachsen-Anhalt Jan-Hendrik Olbertz (links)und Landesarchäologen Harald Meller (mitte).

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    Historiker sehen die Himmelsscheibe in ihrer Bedeutung in einer Reihe mit der Venus von Willendorf und dem Eismann "Ötzi".

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