EZB-Ratsmitglied Mersch: Zinsen könnten im Dezember steigen

21. November 2005, 12:57
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Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins seit fast zweieinhalb Jahren bei 2 Prozent - Arbeitgeberverband sieht keinen Grund für Zinserhöhung

Luxemburg - Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihrem Ratsmitglied Yves Mersch zufolge bereits bei der nächsten Ratssitzung Anfang Dezember die Leitzinsen erhöhen. "(EZB-)Präsident (Jean-Claude) Trichet hat alles perfekt klar gemacht", sagte der luxemburgische Notenbank-Chef am Dienstag in Luxemburg. Auf die Frage, ob das bedeute, dass eine Zinserhöhung bereits im Dezember möglich ist, antwortete Mersch: "Das ist, was er gesagt hat."

Zuvor hatte Mersch bereits der Agentur MNSI gesagt, die EZB habe bisher über diesen Schritt debattiert. Mersch wurde mit einem englischen Sprichwort zitiert, das der deutschen Redewendung "es ist Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen" entspricht. Laut MNSI verwies Mersch darauf, dass im Dezember neben anderen Informationen auch die volkswirtschaftlichen Projektionen des EZB-Stabes vorliegen. Die jüngsten Daten für die wirtschaftliche Entwicklung seien positiv.

Die EZB hält den Leitzins seit fast zweieinhalb Jahren bei zwei Prozent. Wegen der immer schärferen Warnungen von EZB-Vertretern vor Gefahren für die Preisstabilität rechnen viele Beobachter und auch die Finanzmärkte mit einer baldigen Zinserhöhung.

Europäische Arbeitgeber sehen keinen Grund für EZB-Zinserhöhung

Nach Einschätzung des europäischen Arbeitgeberverbandes Unice gibt es für die EZB derzeit keinen Grund für eine Zinserhöhung. Die EZB müsse sich aber alle Optionen offen halten, erklärte Unice am Dienstag in Brüssel. Die Risiken für die Preisstabilität, wie etwa übermäßige Liquidität und die Gefahr von Zweitrunden-Effekten wegen des hohen Ölpreises und der Lohnentwicklung seien scheinbar gering in der gegenwärtigen Entwicklung einer schwachen Inlandsnachfrage. Die Konjunkturentwicklung beurteilten die Arbeitgeber vorsichtig optimistisch. Das Wachstum in der Euro-Zone werde sich im kommenden Jahr leicht verbessern. Allerdings gebe es weiter Abwärtsrisiken. (APA/Reuters)

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