Budget der Unis steigt um elf Prozent - Ministerin Gehrer spricht von "Milliardenpaket", Rektoren erfreut - Mit Infografik
Gemeinsam haben sie den Bären zur Strecke gebracht. Ein
üppiges Exemplar noch dazu,
lautete die einhellige Einschätzung der selbst ernannten Jagdgesellschaft, die
Dienstagmorgen ihre Trophäe
stolz und zufrieden präsentierte. Zu feiern galt es das in
monatelangen, äußerst zähen
Verhandlungen zwischen Bildungs- und Finanzministerium sowie Rektoren vereinbarte "Globalbudget" für die
21 österreichischen Universitäten für die Jahre 2007 bis '09.
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) sprach von
einem "Milliardenpaket", das
gegenüber 2006 um mehr als ein Zehntel (plus 11
Prozent)
aufgestockt worden sei. Der alte Grundstock von 1,725 Milliarden Euro wird in drei Jahren im Jahresschnitt um 175
Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2009 erhöht
(s. Grafik). Zusätzlich bekommen die Unis 500 Millionen
Euro für die Generalsanierung
der Gebäude, außertourlich
abgegolten werden Gehaltssteigerungen für Uni-Beamte.
"Mit diesem Budget ist die
Wichtigkeit der Universitäten
klar ausgeschildert", sagte
Gehrer, die sich besonders
über die einstimmige Annahme des Budgets durch die Rektorenkonferenz freute.
Deren Präsident, WU-Rektor Christoph Badelt, zeigte
sich restlos zufrieden und
dankte Gehrer, "die wirklich
sehr für die Anliegen der Unis
gekämpft hat". Das jetzt präsentierte dreijährige Globalbudget "ist für uns besonders
wichtig für die Planbarkeit.
Man kann auf dieser Grundlage aufbauen." Mit der halben
Sanierungsmilliarde "kann
losgebaut werden. Das ist auf
Sicht die ausreichende Finanzierung, mit der die notwendigen Projekte zweifelsohne angegangen werden können".
Der Bedeutung des Anlasses
sollte die Zahl der anwesenden Vertragsunterzeichner
Tribut zollen: "Das Thema ist
so bedeutsam, dass wir ganz
bewusst hier assistieren wollen", meinte Bundeskanzler
Wolfgang Schüssel: "Wir reden nicht nur, hier werden
knallharte Taten gesetzt. Die
Unifinanzierung steht damit
auf guten Beinen." Vizekanzler Hubert Gorbach gratulierte
am "Freudentag" Gehrer, da
sie "wie eine Löwin im Finanzministerium gekämpft
hat". Der dortige Staatssekretär Alfred Finz dazu: "Wir sind
keine Nulldefizitfetischisten.
Ich gratuliere – die Ministerin
hat ein hervorragendes Budget
herausgeholt."
Das, was Schüssel als "kleines österreichisches Wunder"
bezeichnete – nämlich die Einstimmigkeit in der Rektorenkonferenz – rückte Rektorenvizechef Manfried Gantner
insofern zurecht, als die Verteilung des Gesamtbudgets auf
die einzelnen Unis ja noch bevorstehe: "Das ist der Bär. Sein
Fell muss jetzt verteilt werden" – über individuelle Leistungsvereinbarungen mit dem
Ministerium. (Wissen)
Die neun Gebote
Jürgen Mittelstraß, als Leiter
des Wissenschaftsrates im
"zentralen Beratergremium"
der Bildungsministerin, sieht
das Drängeln rund um den
Teller des Budgetkuchens positiv: "In der Wissensbilanz
stellt sich die Uni vor und
weist nach, was sie in unterschiedlichen Feldern erreicht
hat – auch vor dem Hintergrund europäischer oder
internationaler Entwicklungen." Die neue Qualität der
Leistungsvereinbarung sei das
Begegnen von Staat und Unis
"auf Augenhöhe" – für Mittelstraß ein Zeichen, dass Autonomie ernst genommen wird.
Wesentlich sei, "dass die
Universität weiß, wohin sie
will", und zwar mittels erfolgreich abgeschlossener Entwicklungsplanung. Mittelstraß erhofft sich durch die gewählte Form der Budgetvertei 5. Spalte
lung "ein ganz neues Selbstverständnis der Unis", die sich
damit als ihre eigene Entwicklung bestimmende Subjekte
wahrnehmen würden.
Für eine gelungene Umsetzung der Leistungsvereinbarungen hat der Wissenschaftsrat am Dienstag neun "Gebote"
formuliert, darunter ein "Individualitätsgebot" ("die Leistungsvereinbarungen sollen
die individuelle Entwicklung
der Hochschulen nicht behindern") oder ein Autonomiegebot ("die Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele werden von
den Unis selbst getroffen"). (DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2005)
Von Karin Moser und Lisa Nimmervoll