Angst vor einem "Grazer Herberstein-Skandal"

10. November 2005, 11:58
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Millionenschwere Affäre um Umweltbeamten

Graz - "Darüber gibt es keine Auskunft, auf Wiedersehen". Ziemlich wortkarg reagierte am Montag die Grazer Anwaltskanzlei Arnetzl-Geiger. Dabei: Eine Aufklärung in der Causa ihres Mandanten Karl Niederl wäre dringend nötig. Denn über dem renommierten Umwelt-Spitzenbeamten brauen sich finstere Wolken zusammen. Niederl wird vorgeworfen, ein Millionenprojekt in Tunesien "vergurkt", Provisionen kassiert und überdies mit einer privaten Firma in fragliche Nähe zu städtischen Aufträgen gekommen zu sein. Niederl beteuert seine Unschuld und will alles aufklären, doch die Situation um die stadteigene Firma CPC (Cleaner production Center), von der Affäre ausging, wird immer undurchsichtiger.

Momentan ist von einem bezifferbaren Schaden im Ausmaß von 1,1 Millionen Euro die Rede. "Wir haben aber keine Ahnung, was da noch nachkommen wird", gesteht Wirtschafts-Stadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg.

Es ist das tragische Scheitern einer guten Idee. Karl Niederl entwickelte als Leiter des Grazer Umweltamtes das Konzept "Öko-Profit", das Unternehmen in die Lage versetzt, mit Umweltschutzmaßnahmen, durch umweltgerechtere Steuerungen der Produktionsabläufe beträchtliche Budgetsummen einzusparen. Niederl erhielt für das Konzept weltweit Preise, Unternehmen rund um den Globus agieren bereits nach dem Grazer Öko-System. Um "Öko-Profit" zu vermarkten, wurde die Firma CPC gegründet, deren Geschäftsführer Niederl wurde. Mit einem Riesenauftrag aus Tunesien - 1600 Betriebe sollen umweltgerecht adaptiert werden - sollte auch erstmals Geld in die Grazer Stadtkasse kommen. Ein Geschäftspartner Niederls, der das 40-Millionen-Projekt in Tunesien managt, hat diesen aber beschuldigt, das Vorhaben zu verzögern und damit zu Fall zu bringen.

Die Stadtpolitik ist alarmiert, geht es doch auch um die politische Verantwortung, zumal etliche Hundertausend Euro an Förderungen an das CPC geflossen sind: Finanzstadtrat Wolfgang Riedler übermittelte nun eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft. Inwieweit die Softwarefirma von Niederls Gattin involviert ist, sei noch unklar. Rathausintern wird befürchtet, die Causa könnte zu einem "Grazer Herberstein-Skandal" auswachsen. (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2005)

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