Jenseits von Toreroplattitüden

8. November 2005, 12:17
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Georges Bizets Evergreen "Carmen" ist bei Guy Joosten im Heute angesiedelt

Kein Postkarten-Spanien in der Wiener Volksoper: Georges Bizets Evergreen Carmen ist bei Guy Joosten (mit realistischem Bühnenbild von Johannes Leiacker) im Heute angesiedelt. Die zehn Jahre existierende Inszenierung förderte bei ihrer Wiederaufnahme manches zutage, was jenseits von Zigeuner- und Toreroplattitüde angesiedelt ist. Der schillernden Carmen ist Elisabeth Kulman mehr als gewachsen, sie kann nicht nur stimmlich erotisches Flair versprühen. Kristiane Kaiser singt die ländlich-sittliche Micaëla sehr hörenswert. Nikolai Schukoff gibt einen eindrucksvollen Don José, der vor allem durch die Herbheit der Stimme überzeugt. Berückende Piano-Momente zeigen Zeichen der Sehnsucht und Resignation. Nikola Mijailovic ist ein Escamillo von Format und Schönklang, er könnte noch machtvoller auftrumpfen. Es gibt Reibungsflächen, von denen die Oper lebt. Aus diesen versucht Leopold Hager Feuer zu entfachen, was ihm mit einem präzise agierenden Chor- und Orchesterensemble meist gelingt. Allerdings muss sich der Hörer sputen, "Carmen" ist am 16. Dezember für diese Saison schon wieder abgespielt. (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2005)
Volksoper
9., Währinger Gürtel
01/51 444-3318
nächste öffentliche Vorstellung am 17. 11., 19 Uhr
  • Für kurze Zeit wieder am Spielplan: "Carmen" alias Elisabeth Kulmann mit Nikolai Schukoff (Don José).
    foto: volksoper/©dimo dimov

    Für kurze Zeit wieder am Spielplan: "Carmen" alias Elisabeth Kulmann mit Nikolai Schukoff (Don José).

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