Hunger auf Kultur wird gestillt

7. November 2005, 19:11
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Nach Wien gibt es jetzt auch in Salzburg einen Kulturpass für finanziell Schwächere

Salzburg - In Wien läuft die Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" seit zwei Jahren mit großem Erfolg. Ab Jänner 2006 wird es auch in Salzburg den Kulturpass für finanziell Schwächere geben. Rund 20 Sozialeinrichtungen und etwa 30 Kulturinitiativen tragen die Aktion, die vor rund zwei Jahren vom Schauspielhaus Wien in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Armutskonferenz ihren Ausgang genommen hat.

In Salzburg hat Reinhold Tritscher die Initiative ergriffen. Er bringt mit seinem Theater ecce quasi als Botschafter für "Hunger auf Kunst und Kultur" ab 9. November Dostojewskis Roman über Armut und Kriminalität, "Schuld und Sühne", auf die verwaiste Bühne im ehemaligen Kulturgelände Nonntal.

Das Prinzip des Kulturpasses ist einfach und unbürokratisch: Sozial schwächer Gestellte können bei beteiligten Sozialeinrichtungen wie etwa dem Arbeitsmarktservice, der Schuldnerberatung oder der Caritas, einen Pass erhalten. Mit diesem ausgestattet, können sie gratis Veranstaltungen bei zahlreichen Kulturinitiativen in Land und Stadt besuchen. Es handle sich also um "Kultur für alle" in Zeiten, wo die größten Anteile der öffentlichen Kulturbudgets an elitäre Einrichtungen gingen, so Tomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus.

Der Kulturpass gilt beispielsweise im Filmkulturzentrum Das Kino, im Saalfeldener Kunsthaus Nexus oder für den Salzburger Kunstverein. Wichtiges Prinzip dabei: Den Kulturpassinhabern würden nicht irgendwelche Restkarten angeboten, sondern sie seien den Vollzahlern gleichgestellt, erläutert Tritscher. Um die finanziellen Ausfälle für die Kultureinrichtungen in Grenzen zu halten, werden von den einzelnen Häusern Spenden gesammelt, mit denen die Karten letztlich bezahlt werden.

In Wien funktioniert das System. Laut Schauspielhaus-Intendant Airan Berg seien derzeit rund 10.000 Pässe, die in 28 Einrichtungen gültig sind, im Umlauf. In Salzburg sind es zwar beim Start schon mehr beteiligte Kultureinrichtungen, "allerdings nur solche, die der freien Szene zuzuordnen sind", wie die kaufmännische Chefin des Schauspielhaus Salzburg, Ingeborg Proyer, anmerkt. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2005)

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