Kopf des Tages: Rowan Atkinson

20. November 2005, 19:11
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"Mister Bean" macht Schluss mit lustig! Oder?

Dass Dichter und Journalisten seinen Anti-Terror- und Pro-USA-Kurs kritisieren, mag Tony Blair locker weggesteckt haben: Viel Feind, viel Ehr! Aber dass ihn jetzt ausgerechnet ein alter Schulkollege und vor allem einer der komischsten Stars Großbritanniens nicht mehr lustig findet: Diese Nachricht hat in den britischen Medien mehr Wirbel verursacht als sämtliche Anti-Blair-Kolumnen der vergangenen Monate zusammen.

Rowan Atkinson, bis heute besser bekannt als "Mr. Bean", stellte sich vergangene Woche vor das britische Parlament zu Westminster und hielt eine Rede: Das geplante neue Gesetz gegen "Anstiftung zu religiösem Hass" sei als Zensurmaßnahme abzulehnen. Gewiss sei religiöser Hass problematisch, was aber, "wenn Lehren einer Religion derart die Menschenrechte verletzen, dass sie intensive Ablehnung verdienen?" Sollte das Gesetz, das "Anstifter" mit bis zu sieben Jahren Haft bestrafen will, durchgehen, dann wolle er, so Atkinson, selbst ein Exempel statuieren: mit einem provozierenden Sketch.

Es ist noch unklar, ob Rowan Atkinson dabei eher die Pfade von Monty Pythons Jesus-Parodie Das Leben des Brian beschreiten würde oder ob er als "Mr. Bean" ein paar Selbstmordattentäter in destruktiver Umständlichkeit in den Wahnsinn treiben will. Fakt ist jedenfalls: "Die am wenigsten komische Rede, die er je gehalten hat", ist seither in aller Munde, und Blairs Anti-Terror-Überlegungen werden mit einem (schlechten) Witz verglichen.

Überraschend war Atkinsons Intervention aus mehreren Gründen. Zum einen hatte der zurückgezogen lebende Entertainer und Multimillionär bis dato nie politische Statements abgegeben, zum anderen unterstellte man ihm, der bestenfalls Prinz Charles bei Benefizaktionen unterstützt, leichte Sympathien mit Blair, mit dem der 1955 Geborene in Newcastle die Schulbank gedrückt hatte.

Insgesamt war der gelernte Elektroingenieur und spätere Komiker, der bereits in den Achtzigerjahren als TV-Comedystar Black Adder Furore gemacht hatte, immer sehr sparsam mit öffentlichen Statements - nicht zuletzt, weil er (zu Recht) befürchtet, dass die Leute von ihm vor allem unterhalten werden wollen: "Viele glauben, ich könnte sie auch auf der Straße, privat, pronto zum Lachen bringen. Das Gegenteil ist der Fall: Ich bin eigentlich ein Langweiler, den es zufällig ins heitere Metier verschlagen hat."

Dass dieser "Langweiler" in seiner Profession nichtsdestotrotz ehrgeizig ist, könnte das Gerücht belegen, dass er sich nach dem Misserfolg seiner letzten Kinokomödie Johnny English monatelang wegen Depressionen behandeln ließ. "Mr. Bean" wollte er nach einem großen Kinohit 1997 nicht mehr sein. Na ja, vielleicht wird er seine Erfolgsrolle jetzt doch revitalisieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2005)

von Claus Philipp
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