Wild Wild Blöd

8. November 2005, 07:00
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Diesels "Wild Wild East"-Kampagne bietet die Münder aller Frauen zur Befriedigung "individualistischer hedonistischer Freuden" an - wir zitronieren

Ganz im Fahrwind der mitteleuropaweiten Ostalgie kam scheinbar auch der Modeproduzent Diesel auf die Idee, die vermarktbaren Seiten des ehemaligen so genannten "Ostblocks" in Geld umzusetzen. So konzentriert sich die aktuelle Kampagne "Wild Wild East" auf Klischees russischer Banditen, Seefahrer (?) und sexueller Ungezügeltheit.

Kulturhistorisch eher unbedarft, werden peitschende und auf Fell posierende SM-Frauen gezeigt, die wohl eher mit dem Grazer Leopold von Sacher-Masoch in Verbindung zu bringen sind, als mit russischen Mätressen. (Da lob ich mir die GeisteswissenschafterInnen in der Werbebranche.)

Vom Plattenbau zur Osthure

Der bislang eher auf US-Amischick bauende Diesel-Konzern hat offensichtlich seine Liebe zum Osten entdeckt. Und während vor Jahren der Osten Europas eher abwertend mit Plattenbau, Kartoffelschnaps und Rückständigkeit assoziiert wurde, versucht Diesel nun scheinbar, mit oberflächlichen Klischees die Kassen klingeln zu lassen.

An vorderster Front der sichtlich befriedigte junge Bursche, der mit offenem Hosenstall, Zahnstocher im Mund und Cowboyhut (!) am Kopf in der Ledercouch lungert. Hinter ihm eine Reihe Matrioschkas, aufblasbar und mit offenem Mund - von ganz groß, bis ganz klein. Das Bild der billigen und allseits bereiten "Osthure" lässt grüßen.

Von groß bis klein, geht überall was rein

Na da freut sich Frau, dass der gute Mann gleich alle Münder dieser Welt zur Verfügung hat. Wie beschreibt das Diesel so schön? Als "Guide zur individualistischen Jagd nach hedonistischen Freuden". Dass die Mode sich als Verheißung der Individualität aufspielt, ist ein alter Hut, ebenso wie der Missbrauch von Frauen und deren Körper als Verkaufsangebot. Auch die scheinbar laszive Verdrehung osteuropäischer Lebenszusammenhänge ist nicht neu.

Besonders ekelhaft ist jedoch das Angebot, oder die Verheißung, jede - zumindest auf der körperlichen Ebene - Frau zur Befriedigung der "individualistischen" Freuden verfügbar zu haben. Ob groß, ob klein, diesem mit Diesel-Jean ausgestattetem Mann steht jeder Mund offen. Erlauben Sie mir diesen Ausdruck: zum Kotzen.

(e_mu)

08.11.2005
  • Diesels aufblasbare Matrioschkas versprechen die Erfüllung der "individualistischen Jagd nach hedonistischem Vergnügen".
    diesel/redaktion
    Diesels aufblasbare Matrioschkas versprechen die Erfüllung der "individualistischen Jagd nach hedonistischem Vergnügen".
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