Wer hat Schädlinge zum Fressen gern?

14. November 2005, 14:26
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Forscher fahnden mittels genetischer Analyse des Darminhalts nach Räubern, die vor allem bestimmte Insekten vertilgen

Wien - Mittels genetischer Analyse des Darminhalts fahnden Wissenschafter des Zentrums für Berglandwirtschaft neuerdings nach Räubern, die sich über Schädlinge hermachen. Die mit Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) entwickelte Methode ist besonders für bodenlebende Organismen geeignet, in deren Ökologie man ansonsten schwer Einblick bekommt. Die Eperten erwarten neue Einsatzmöglichkeiten der biologischen Schädlingskontrolle etwa in der Landwirtschaft.

Jährlich erheblicher Schaden

Insekten sind weltweit für 20 bis 50 Prozent der Ertragseinbußen in der Landwirtschaft verantwortlich, schätzen die Wissenschafter um Projektleiter Michael Traugott. Nachdem die chemische Keule zur Bekämpfung unter anderem bei den Konsumenten unbeliebt ist, fahnden Forscher nach Alternativen und setzen dabei zunehmend auf natürliche Feinde der so genannten Schädlinge. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Eindämmung von Blattläusen mittels Marienkäfer.

Während die tierischen Gegenspieler vieler oberirdisch lebender Schädlinge weitgehend bekannt sind, ist die Sache bei bodenlebenden Organismen im wahrsten Sinne des Wortes vielfach noch im Dunkeln. Dabei zählen so genannte Engerlinge zu den bedeutendsten Schadinsekten im Boden, in Europa machen sich etwa Maikäfer, Junikäfer oder der Gartenlaubkäfer bemerkbar.

Neue Detektionsmethode

Die Innsbrucker Forscher haben daher eine Möglichkeit entwickelt, bei der man nicht zusehen muss, wer wen frisst. Vielmehr analysiert man den Darminhalt verschiedener Räuber auf zuvor ausgewählte Abschnitte der Erbsubstanz (DNA) von Schädlingen. Etwa Engerlinge konnten so im Verdauungstrakt von räuberischen Insekten bis zu 48 Stunden nach dem Verzehr noch nachgewiesen werden. Die neue Detektionsmethode ist laut den Experten auch hoch sensitiv, selbst der Verzehr von Blatthorn-Eiern war konnte nach 32 Stunden noch nachgewiesen werden.

Einen Nachteil hat die Sache noch, so schlägt die Methode auch bei Tieren an, welche tote Schädlinge verzehren. Solche so genannte Aasfresser tragen in der Natur nicht zur Reduktion der Schädlinge bei. Selbst nach dem Verzehr von neun Tage alten Engerlingskadavern waren die DNA-Abschnitte noch nachweisbar. Die Forscher kündigten weitere Untersuchungen an.(APA)

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