"Grüne Gentechnik" vor dem UN-Menschenrechtssausschuss

14. November 2005, 14:26
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Initiative von "Pro Leben" - Global 2000 verlangt Importverbot für Gentech-Raps

Wien/Genf - Gleich zwei Mal haben Umweltgruppen am Montag auf die "Grüne Gentechnologie" reagiert. Die österreichische Anti-Gentech-Plattform "Pro Leben" hat vor dem UN-Menschenrechtssausschuss in Genf die Einführung der Grünen Gentechnik als Menschenrechtsverletzung eingeklagt. Und die Umweltschutzgruppe Global 2000 hat den umgehenden Erlass eines österreichischen Importverbots für den Gentech-Raps GT73 von Monsanto gefordert. Der erst kürzlich von der EU zugelassene Raps wurde von der Europäischen Umweltbehörde (EEA) als Hochrisikopflanze bezüglich des unkontrollierten Vordringens in die Natur eingestuft.

In Großbritannien erbrachten Untersuchungen über die ökologischen Auswirkungen des Anbaus von Gentech-Raps alarmierende Ergebnisse: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass durch den Anbau des Gentech-Raps die Zahl der Schmetterlinge, Hummeln und Käfer deutlich zurückging. Monsanto selbst hatte in Versuchen an mit Gentech-Raps gefütterten Ratten vergrößerte Leberzellen festgestellt. In Kanada hat die großflächige Verunreinigung der Rapsfelder mit Gentech-Sorten dazu geführt, dass für Bio-Bauern der Anbau von Raps unmöglich geworden ist. Genau jenen Punkt, nämlich die rasende Ausbreitung und damit die Verhinderung des Anbaus konventioneller Sorten bekämpft auch Pro Leben vor dem Menschenrechtsausschuss in Genf.

"Die GMO-Pflanzen breiten sich zu schnell aus"

"Wir erwarten uns ein möglichst großes Medienecho", so einer der Initiatoren, Volker Helldorff. "Es wird deutlich, dass Menschenrechte wie das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Zugang zu gesunder Nahrung ohne gesundheitsbedenkliche Stoffe, das Recht auf freie Verfügung über die natürlichen Ressourcen, das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf eine gesunde Umwelt durch die Einführung der Gentechnik massiv gefährdet sind", argumentiert Helldorff. Dies komme einer Existenzvernichtung der Landwirte nahe. "Die GMO-Pflanzen breiten sich zu schnell aus, dadurch werden auch jene Bauern zwangsbeglückt, die diese Pflanzen nicht wollen", erklärt Helldorff. Mit der Aktion soll auch Licht in die Machenschaften der Gentech-Lobby gebracht werden.

Dass genetische Verunreinigungen schwere Schäden verursachen können, meinen auch Experten der Umweltgruppe Global 2000. "Auch wenn sich die europäische Zulassung für GT73 auf Tierfutter und industrielle Verwendungszwecke beschränkt, besteht die Gefahr, dass der Gentech-Raps jederzeit gewollt oder auch ungewollt als lebensfähiges Saatgut in die Natur gelangt", warnt Jens Karg, Gentechnik-Sprecher von Global 2000. Nur sechs von 25 EU-Umweltminister haben GT73 als unbedenklich eingestuft. Es sei bedenklich, dass die EU über die Köpfe der Minister hinweg bestimme. "GLOBAL2000 sieht ebenfalls das Recht auf körperliche Unversehrtheit gefährdet", so Karg. In Japan haben Behörden Gentech-Verunreinigungen durch im Hafen verschüttete Rapssamen im Umkreis von 30 Kilometern festgestellt. Diese Verunreinigungen sind nicht rückholbar.

Wenn der Gentech-Raps nach Österreich gelangt, ist zu befürchten, dass innerhalb kürzester Zeit weite Gebiete entlang von Straßen und Flüssen kontaminiert werden. Gentech-Raps stellt daher eine massive Bedrohung für die österreichische Landwirtschaft dar, die gentechnikfrei bleiben will. "Nur ein Importverbot kann dem Gentech-Raps GT73 den Riegel vorschieben", so Karg abschließend. (pte)

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