Hugo Simon forever, und danach?

11. November 2005, 16:31
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Der Ehrgeiz der Ever­greens ist ungezügelt, doch die Lücke dahinter wird größer. Talentierte Reiter müssen ins Ausland

Wien - "Kinder, wie die Zeit vergeht", hat Manfred Mautner Markhof ausgerufen, als er die 20. Auflage des "Fests der Pferde" eröffnete, bei dem er, Mautner Markhof, zum 20. Mal den Präsidenten des Organisationskomitees gibt. Dem wäre vielleicht noch hinzuzufügen, dass wir alle nicht jünger werden - sieht man von Hugo Simon (63) und Thomas Frühmann (54) ab.

Simon war 1972, nachdem er die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, weil ihn die Deutschen nicht zu den Olympischen Spielen schicken wollten, nicht nur Olympia-Vierter, sondern erstmals österreichischer Staatsmeister. Lavendel, Gladstone, The Freak, Gipsy Lady, Apricot und E.T. hießen die Rösser, die Simon über die Jahre und von Sieg zu Sieg trugen. Die Weltcupsiege 1979 (auf Gladstone) und 1996 (auf E.T.) sowie olympisches Team-Silber 1992 (auf Apricot) ragen aus der Erfolgsliste noch heraus. Zur Silbernen hat auch Frühmann (auf Genius) beigetragen, er bestritt 1977 seine erste EM, war 1987 erstmals Staatsmeister, sattelte u. a. Donau, Porter, Grandeur und eben Genius, schaffte gleich zweimal (1988, '90) das Double in Hamburg und Aachen (auf Grandeur).

Denken Simon und Frühmann ans Aufhören, steht plötzlich das nächste gute Ross im Stall, und schon ist der Ehrgeiz wieder ungezügelt. Momentan sieht's so aus, als wäre Frühmann mit The Sixth Sense und Limited Edition, die erst neun und acht Jahre alt sind, sogar etwas besser beritten. "Aber ewig werd ich's nicht derreiten", sagt er. Die Lücke hinter den Evergreens ist groß. Jahrelang hat niemand aufschließen können, weder Anton Martin Bauer noch Tatjana Freytag von Loringhoven, die abgesattelt hat, um in den USA zu studieren. Der deutsche Ex-Weltmeister Franke Sloothaak hielt schon Lehrgänge in Österreich ab, er kennt die meisten Reiter und meint, dass "man eben keine Chance zur Weiterentwicklung hat, wenn man ständig nur unter sich bleibt".

Wer international reüssieren will, so deutet Sloothaak an, muss Österreich hinter sich lassen. Simon, der stets in Deutschland lebte, und Frühmann, der bei Paul Schockemöhles Schwiegervater die Bereiterlehre absolvierte und am Gestüt von Alwin Schockemöhle groß wurde, haben es vorexerziert. "Aber dieser Weg, der Weg ins Ausland, ist unheimlich mühsam", sagt Sloothaak (47), der als 18- Jähriger aus den Niederlanden nach Deutschland kam. Der Kärntner Gerfried Puck hat ihn immerhin eingeschlagen, den Weg, er lebt und trainiert in Nijmegen in der Nähe von Arnheim. "In Österreich", sagt der 32-Jährige, "ist nach dem Fest der Pferde fünf Monate lang Pause. In den Niederlanden gibt's keinen Schnee, du kannst das ganze Jahr auf Turniere fahren, sieben Tage die Woche. Du kannst junge Pferde ausbilden, dort gibt's unzählige Züchter und Besitzer."

Puck beschreibt die Anlage in Nijmegen, auf der er trainiert: "Eine 25-mal-85-Meter- Halle, Laufband, Longieranlage, Führanlage - und alles unter einem Dach." Ähnliches findet sich in Österreich sehr selten, laut Puck ("da hält nur der Steinbrecher Michi in Wiener Neustadt mit") lassen sich vergleichbare Anlagen an einem Finger abzählen. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.11. 2005)

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