Ministerrat schnürt Schulpaket zu

7. März 2006, 17:42
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Unterrichtsgarantie, flotter Schulbeginn und Pädagogische Hochschulen stecken im zweiten Schulpaket, das Bildungsministerin Gehrer Montag im Ministerrat versandbereit machte

Wien - Trotz ungewöhnlichen Termins folgte die Abwicklung der üblichen Dramaturgie: Das "Schulpaket II" passierte Montagnachmittag erwartungsgemäß den Ministerrat. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) hatte sich allen Kritikern zum Trotz auch mit der Umwandlung der Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen (PH) durchgesetzt.

Grund für die abendliche Beschlussfassung der Regierungsmitglieder war der Beginn der Beamtengehaltsverhandlungen; der Montag wurde dem sonst üblichen Ministerrats-Dienstag vorgezogen, da Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) heute nach Washington zur "Zukunftskonferenz" anreist.

Die Zukunft des heimischen Schulwesens soll sich, wenn es nach der Bildungsministerin geht, mit dem neuen "Schulpaket" weiter ändern (siehe Wissen): mehr Tempo zu Schulbeginn, Unterrichtsgarantie, Sprachförderung, neue Pflichtschullehrerausbildung sind Kernelemente.

Pläne gescheitert

Einzige Änderung zum ursprünglichen Entwurf Gehrers ist die Regelung der Nachprüfungstermine. Gehrer wollte sie ja von der ersten Schul- in die letzte Ferienwoche vorziehen, um dann schneller starten zu können. Dieser Plan scheiterte am Widerstand von Lehrergewerkschaften, die von Arbeitszeitverlängerung sprachen und Prüfungstaxen forderten, sowie von Schülervertretern, die auf Probleme von Schülern mit Berufspraktika hinwiesen. Jetzt soll der Schulgemeinschaftsausschuss entscheiden, wo Eltern, Lehrer und Schüler paritätisch vertreten sind. In jeder Gruppe muss eine Zweidrittelmehrheit für eine Verschiebung stimmen, sonst entscheidet die Direktion den Termin.

Bei den Lehrerhochschulen ist Gehrer trotz massiver Kritik von Opposition, Bildungsexperten, einzelner Pädak-Direktoren und des Rechnungshofs bei ihrer Linie geblieben. Aus jetzt 51 Pädagogischen Akademien und Instituten des Bundes und der Religionsgemeinschaften werden zwölf Pädagogische Hochschulen für Pflichtschullehrer.

Pflichtschulelternvereinschef Kurt Nekula, Vertreter von 1,5 Millionen Eltern, hätte trotz seines generellen Ja zum Schulpaket für die Abhaltung der Nachprüfungen an den ersten zwei Schultagen eine andere Vorgehensweise präferiert. Im STANDARD-Gespräch sagt er, ihm wäre es am liebsten gewesen, wenn im Gesetz explizit stünde, die Nachprüfungen müssen "auf jeden Fall außerhalb der Unterrichtszeit angesetzt sein. Ich wäre stinksauer, wenn das nicht so wäre". Das Element, "das das Schulpaket II halb leer macht", seien aber die Pädagogischen Hochschulen, kritisiert Nekula: "Alle Elternverbände wollten, dass alle Lehrer, idealerweise alle pädagogischen Berufe, gemeinsam und am besten universitär oder zumindest auf Fachhochschulniveau ausgebildet werden. Mit der Fortschreibung der getrennten Lehrerausbildung wurde eine historische Chance vertan", so Nekula.

Auch SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser sprach von einer "völlig überholten Lehrerausbildung", man werde dem Paket nicht zustimmen. Grünen-Bildungssprecher Dieter Brosz nannte die Lehrerhochschulen ein "Sackgassengesetz". Die Neuregelung für Nachprüfungstermine sei eine "Scheinreform".

Das Bildungsministerium hielt entgegen, dass es Zustimmung von Eltern, Lehrern und Schülern zu den Maßnahmen im Schulbereich gebe. (DER STANDARD/Printausgabe, 8.11.2005)

Von Karin Moser und Lisa Nimmervoll
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