Erste weltweite Konferenz zur Vogelgrippe fordert Sofortmaßnahmen

10. November 2005, 14:36
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WHO-Generaldirektor Lee: Andernfalls Pandemie nur Zeitfrage - EU-weite Notfallübung geplant

Genf/Hanoi - Mit einem eindringlichen Aufruf, die Ausbreitung der Vogelgrippe zu stoppen und somit eine Pandemie unter Menschen zu verhindern, hat am Montag die erste weltweite Konferenz zur Vogelgrippe begonnen. Ohne gemeinsame Anstrengungen sei es nur noch "eine Frage der Zeit", bis das aggressive Virus H5N1 eine weltweite Epidemie auslösen werde, mahnte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Lee Jong Wook, zum Auftakt der dreitägigen Konferenz in Genf.

400 Experten aus allen Ländern - darunter auch Dr. Jean-Paul Klein vom österreichischen Gesundheitsministerium - beraten dort über einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Vogelgrippe. Im Fall einer Pandemie rechnen sie mit Millionen von Toten und Schäden für die Weltwirtschaft in Höhe von bis zu 800 Milliarden Dollar (676 Milliarden Euro).

Nach Angaben der WHO wurden seit Ausbruch der Vogelgrippe-Epidemie im Dezember 2003 in Asien 124 Fälle gemeldet, in denen sich Menschen bei infizierten Tieren angesteckt haben; 63 von ihnen starben. 150 Millionen Tiere mussten vorsorglich geschlachtet werden. Bis jetzt werden die wirtschaftlichen Schäden auf zehn Milliarden Dollar geschätzt.

Gefahr der Virus-Mutation

Nach den Worten des Generaldirektors der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), Bernard Vallat, ist das H5N1-Virus für den Menschen zurzeit nur dann gefährlich, wenn er in engem Kontakt mit infizierten Tieren steht. Doch mit der steigenden Zahl an infizierten Tieren wachse auch die Gefahr, dass das Virus mutiere und dann von Mensch zu Mensch übertragen werden könne. Noch gebe es keinen Impfschutz gegen einen derartigen neuen Grippe-Erreger. Höchster Alarm herrscht bei den Experten, seit infizierte Zugvögel das Virus nach Europa gebracht haben und es nun auch Afrika bedroht.

Neben Maßnahmen im Falle einer Pandemie geht es den Experten auf der Genfer Konferenz vor allem darum, den derzeit betroffenen Ländern bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen. Kopfzerbrechen bereitet dabei nach Angaben des Weltbank-Experten für Ostasien und den Pazifikraum, Milan Brahmbhatt, vor allem, wie die Bauern angemessen entschädigt werden können: Bekommen sie zu wenig, hätten sie kein Interesse, den Ausbruch einer Epidemie zu melden; zu großzügige Zahlungen hingegen könnten sie dazu verführen, dass sie ihre Tiere absichtlich infizierten.

Kosten

In jedem Fall werden die Maßnahmen zum Kampf gegen die Vogelgrippe "Geld kosten", wie WHO-Experte Mike Ryan betonte. Allein die Unterstützung der ärmsten Länder in Südostasien wird nach Einschätzung der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) 102 Millionen Dollar kosten; hinzu kämen weitere 75 Millionen Dollar für Osteuropa und Afrika.

Bisher zur Verfügung gestellt wurden aber nur 30 Millionen Dollar, vor allem von Deutschland, Japan, den Niederlanden und den USA. Die EU sagte am Montag weitere 30 Millionen Euro für den Kampf gegen die Vogelgrippe in Asien zu. Die Weltbank arbeitet nach eigenen Angaben an einem Hilfsplan in Höhe von bis zu 500 Millionen Dollar. Sollte es aber tatsächlich zu einer Pandemie unter Menschen kommen, so könnte diese laut Weltbank zwei bis drei Prozent des Weltwirtschaftswachstums kosten, darunter allein in den Industriestaaten 550 Millionen Dollar.

Notfallübung

Zur Vorbereitung auf eine mögliche Vogelgrippe-Epidemie sollen alle Länder der Europäischen Union Ende des Monats an einer Notfallübung teilnehmen, sagte die spanische Gesundheitsministerin Elena Salgado am Montag bei der weltweiten Konferenz zur Vogelgrippe.

Bei der Übung soll der Ausbruch einer Pandemie simuliert werden. Ziel der Übung sei es, die Reaktionsfähigkeit der Gesundheitsdienste zu testen. Außerdem solle der Informationsaustausch sowie die Kommunikation mit der Öffentlichkeit erprobt werden. Die EU hatte die Übung bereits vor drei Wochen angekündigt, aber noch kein konkretes Datum genannt. (APA/AFP)

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  • WHO-Generaldirektor Lee
    foto: laurent gillieron

    WHO-Generaldirektor Lee

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