Marokko bekräftigt Anspruch auf besetzte Westsahara

7. November 2005, 15:28
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30 Jahre "Grüner Marsch" - Bevölkerung nahm von Feiern kaum Notiz

Rabat - Der marokkanische König Mohammed VI. hat den Anspruch seines Landes auf die besetzte Westsahara bekräftigt und erklärt, dass die spanische Ex-Kolonie ein integraler Bestandteil des marokkanischen Staatsgebietes sei. In einer Rede zum 30. Jahrestag des von seinem verstorbenen Vater Hassan II. organisierten "Grünen Marsches" plädierte der Monarch nach Presseberichten vom Montag zugleich für eine friedliche Beilegung des Konflikts.

Marokko widersetzt sich seit über einem Jahrzehnt der Durchführung des von der UNO geforderten Selbstbestimmungs-Referendums in der Westsahara. Das Europäische Parlament hat in einer unlängst verabschiedeten Westsahara-Resolution die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen durch Marokko verurteilt.

Grüner Marsch

Beim "Grünen Marsch" vor 30 Jahren hatten 350.000 unbewaffnete marokkanische Zivilisten in der spanischen Kolonie Einzug gehalten. Marokko machte es sich bei der Aktion zu Nutze, dass der spanische Diktator Francisco Franco im Sterben lag und die Führung Madrid nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Der Marsch leitete den Abzug der Spanier ein, provozierte aber zugleich einen Konflikt, der bis heute nicht gelöst ist. Die von Algerien unterstützte Befreiungsorganisation "Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro" (Polisario) rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus, die von über achtzig Staaten anerkannt wird.

Marokko hat große Anstrengungen unternommen, um die hosphatreiche Wüstenregion durch massiven Bevölkerungstransfer an sich zu binden. Vor der Küste der Westsahara wird auch Erdöl vermutet. Die DARS-Regierung hatte die Vereinten Nationen aufgerufen, die Erschließung von Ölvorkommen vor der Küste zu stoppen. Dabei ging es um die zwischen Marokko und der französischen TotalFinaElf geschlossenen Bohrverträge.

In der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1429 war das Selbstbestimmungsrecht der Westsahara-Bevölkerung anerkannt worden. Während die in Algerien etablierte Exilregierung der DARS dem vom ehemaligen US-Außenminister James Baker ausgearbeiteten Referendums-Plan zugestimmt hat, wird dieser von Marokko abgelehnt. Der Baker-Plan sieht vor, die Bevölkerung bis 2008 in einem Referendum darüber entscheiden zu lassen, ob sie die volle Unabhängigkeit will oder zu Marokko gehören möchte. König Mohammed VI. sprach sich in seiner Rede dafür aus, dass die Bewohner des Wüstengebiets einen Autonomiestatus erhalten. Für die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag ließen die Marokkaner ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften in der Hauptstadt El Aiun (Laayoun) aufmarschieren. Nach spanischen Medienberichten beteiligte die Bevölkerung sich kaum an den Feiern. (APA/dpa)

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