EU: Tierversuche langfristig "auf Null" reduzierbar

14. November 2005, 14:26
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Gegenwärtig rund elf Millionen Tiere pro Jahr für wissenschaftliche Experimente herangezogen

Brüssel - Die EU-Kommission will den Einsatz von Tieren für wissenschaftliche Tests reduzieren. "Es ist möglich die Zahl auf Null zu reduzieren, nicht kurz- oder mittelfristig, aber langfristig", betonte Industriekommissar Günter Verheugen in Brüssel anlässlich einer Konferenz über Tierversuch, bei der eine neue "Partnerschaft zur Förderung von Alternativkonzepten zu Tierversuchen" mit Industrieverbänden aus Chemie, Pharmazie Kosmetik und Biotechnologie besiegelt wurde.

Trotz aller bisherigen Bemühungen würden in Europa jährlich rund elf Millionen Tiere für wissenschaftliche Experimente eingesetzt, so Verheugen. Zwar seien es vor 30 Jahren noch drei Mal so viele gewesen, dennoch müsse die EU ihre Anstrengungen verstärken, alternative Testmethoden für Medikamente, Kosmetika, Chemikalien, Lebens- oder Futtermittel oder Grundlagenforschung zu finden. Ein völliger Verzicht sie aber kurz-bzw. mittelfristig nicht möglich, ohne die hohen Sicherheitsstandards der EU zu gefährden. Etwa 25 Prozent der Tierversuche in der EU entfallen auf solche vorgeschriebenen Tests.

Thema REACH

Verheugen unterstrich vor Journalisten seine feste Absicht, den Entwurf die geplante Chemikalien-Verordnung (REACH) so abzuändern, dass es zu keiner dramatischen Zunahme von Tierversuchen in der Einführungsphase kommt. Der ursprüngliche Entwurf, der derzeit im EU-Parlament und von den Mitgliedstaaten diskutiert wird, hätte die Zahl der Tierversuche um 3,9 Millionen erhöht. Daher seien nun Vorschläge in Diskussion, um Tierversuche so gering wie möglich zu halten: so sollen vorliegende Tests und Studien berücksichtigt werden, bevor weitere Experimente verlangt werden bzw. ähnliche Substanzen gemeinsam registriert werden. Für chemische Substanzen, von denen jährliche nicht mehr als zehn Tonnen produziert oder importiert werden, sollen nur "in vitro"-Tests notwendig sein.

Im Rahmen der neuen Partnerschaft soll ein konkretes Arbeitsprogramm erstellt werden, das unter anderem die bessere Kartierung von Forschungsarbeiten, die Forschungszusammenarbeit oder auch die Vereinfachung von Validierungsprozessen fördern soll. In einigen EU-Mitgliedstaaten sind Tierversuche bereits verboten. Mit der neuen Kosmetik-Richtlinie werden Tierversuche für Kosmetika und deren Inhaltsstoffe ab 2009 bzw. 2013 EU-weit untersagt. (APA)

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