"Schauspielen ist überhaupt nicht schwer"

6. Juni 2006, 11:11
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Ein Theaterstück in Eigenregie: Sophie Menasse schlüpfte im Kindertheater in die Rolle der Maria Stuart von Friedrich von Schiller

Wien – "Ich wusste, dass ich es nie spielen werde, wenn ich es nicht selbst organisiere", sagt die 15-jährige Sophie Menasse, die nun dreimal mit dem von ihr in Eigenregie umgesetzten Stück "Maria Stuart" von Friedrich von Schiller im Kindertheater auftrat. Die Vorstellungen waren ausverkauft.

Leitung, Dramaturgie und die Hauptrolle der Maria Stuart lagen in der Hand der Tochter des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse. Sophie, die seit vier Jahren im Kindertheater mitwirkt, war bei einer Theaterausstellung ein Ausschnitt des Werkes regelrecht in die Hände gefallen. "Ich habe über die zwei Königinnen gelesen und je mehr ich über sie und ihre Zeit erfahren habe, desto mehr faszinierten sie mich."

Mit den Freundinnen Stephanie Ira-Nistelberger und Enna Zagorac wurde schließlich über die Sommerferien das gesamte Werk der Maria Stuart – einer Katholikin, die im protestantischen Schottland herrschte und nach ihrer Flucht nach England (1568) wegen Hochverrats enthauptet wurde –, gekürzt.

Klassisches Theater für Kinder

Eine wesentliche Rolle bei den Vorbereitungen spielte die irische Regisseurin Aoife Smyth, die schon im Vorjahr bei Shakespeares "Romeo und Julia" die Regie überhatte. Warum Sophies Idee vom Wiener Kindertheater unterstützt wurde, erklärt die Leiterin Sylvia Rotter damit, dass alle Schauspieler zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind. Diese frische und neue Art der Inszenierung sei auf breites Interesse beim Publikum gestoßen, wenngleich die jungen Akteure "die helfenden Hände im Hintergrund" gebraucht hätten. Ein Anliegen sei es auch, Kindern klassisches Theater näher zu bringen.

Einradfahren und Theater

Wenn Sophie in die Zukunft blickt, sieht sie sich selbst als Regisseurin oder Dramaturgin. Obwohl sie in ihrer Freizeit gerne liest und den Beruf ihres Vaters durchaus mit Interesse betrachtet, meint sie zum SchülerStandard: "Ich glaube nicht, dass ich das könnte. Vielleicht könnte ich Kurzgeschichten schreiben, aber ich denke, mir würden irgendwann die Ideen ausgehen." Neben der Schauspielerei betreibt die 15-Jährige eine ungewöhnliche Sportart: Sie fährt Einrad, was mit dem Theater einiges gemeinsam habe: "Auf der Bühne zu stehen ist ähnlich: Die ersten Male fällt man öfters hin und fragt sich, wie man das nur schaffen kann. Aber hat man es erst einmal heraußen, ist es überhaupt nicht schwer." (DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2005)

Von Sibylle Brunner

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www.kindertheater.com

  • Die Königinnen und ihre Zeit hätten sie einfach fasziniert, sagt Sophie Menasse (15). Also ergriff sie die Initiative und kürzte Schillers "Maria Stuart", um das Stück mit dem Kindertheater in der freien Bühne Wieden aufzuführen.
    foto: kindertheater

    Die Königinnen und ihre Zeit hätten sie einfach fasziniert, sagt Sophie Menasse (15). Also ergriff sie die Initiative und kürzte Schillers "Maria Stuart", um das Stück mit dem Kindertheater in der freien Bühne Wieden aufzuführen.

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