"Das ist ein Titel ohne Wert"

16. November 2005, 11:40
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Für Red-Bull-Coach Jara ist Herbstmeister "noch gar nichts" - Salzburger in den vergangenen zwei Monaten das über­ragende Team

Salzburg - Zu Saisonstart noch als überbezahlte Altherren-Truppe belächelt, hat Red Bull Salzburg in den neun Runden des zweiten Bundesliga-Saisonviertels mit Vorurteilen aufgeräumt. Geld, das seit der Übernahme der Salzburg Sport AG durch den Energydrink-Riesen im Frühsommer ausreichend vorhanden ist, spielt offenbar doch guten Fußball. Die Festspielstädter stürmten mit acht Siegen in neuen Partien - einzig Wacker Tirol stellte den Bullen mit einem 3:0-Erfolg im Westderby ein Bein - vom vorletzten Tabellenplatz zum Herbstmeistertitel, drei Punkte vor der Austria.

"Wollen international spielen"

"Drei Punkte sind noch gar nichts. Im Prinzip ist das null. Das ist ein Titel ohne Wert", erinnerte Trainer Kurt Jara im APA-Gespräch daran, dass sich Red Bull Salzburg langfristige Ziele gesteckt hat. "Wir wollen heuer unter die ersten Drei um auch international zu spielen. Irgendwann in zwei, drei Jahren ist das erklärte Ziel dann auch der österreichische Meistertitel und der Einzug in die Champions League", meinte der Tiroler.

Doch ist das wirklich alles ferne Zukunftsmusik? Die Salzburger präsentierten sich bereits in den vergangenen beiden Monaten als das überragende Team der Liga, können auf eine Vielzahl an Routiniers, die unter Jara ihren zweiten Frühling erleben, zurückgreifen. "Die Mannschaft hat sich erst finden müssen. Das ist normal, wenn man im Sommer 15 neue Spieler holt. Das ganze hat viel mit harter Arbeit zu tun", erklärte der Erfolgstrainer, der bereits 2000 und 2001 den FC Tirol zu einer Meistermannschaft geformt hat.

Zu Hause eine Macht

Im Sommer habe auf Grund der neuen Ansprüche von Red Bull ein Schnitt erfolgen müssen. "Was viele Leute immer wieder vergessen ist, dass Salzburg in der vergangenen Saison beinahe abgestiegen wäre. Wir mussten uns neu orientieren", begründete Jara, der das Vertrauen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz mittlerweile mit Siegen rechtfertigt. Vor allem zu Hause sind die Bullen eine Macht, gaben bis dato in neun Spielen lediglich gegen Meister Rapid (0:2 am 30. Juli) Punkte ab.

Vorerst wollen sich die Salzburger im Spitzenfeld der Bundesliga etablieren, wenn möglich auch nach den vier vorgezogenen Frühjahrs-Runden an der Spitze überwintern. "Ich setze mir immer Ziele, die zu erreichen sind. 24 Punkte aus neun Spielen macht man nicht alle Tage", sagte Jara, dessen Team im Zuge der Aufholjagd auch von Schwächen der Konkurrenz profitierte. Die Austria fuhr am Sonntag mit einem mühsamen 1:0 in Pasching erstmals nach vier tor- und sieglosen Partien drei Punkte ein, Meister Rapid hat erst sieben Saisonsiege auf dem Konto und ebenso viele Punkte Rückstand.

Ein unmoralisches Angebot

Ex-Meister GAK schwächte Red Bull mit dem Transfer von Mittelfeldmotor Rene Aufhauser gleich selbst. Nun soll auch Mario Bazina dem Ruf aus Salzburg folgen. "Da müsste schon ein unmoralisches Angebot kommen", erklärte GAK-Trainer Walter Schachner, der zwei Millionen Euro für seinen Regisseur und Goalgetter als Verhandlungsbasis sieht. Jara hat am Spielersektor offiziell ohnehin wenig Handlungsbedarf: "Wir studieren den Markt, stehen aber nicht mehr so unter Druck wie noch im Sommer." (APA)

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    Kurt Jara will langfristig die Champions League nach Salzburg bringen.

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