Warnung vor Energiebedarf-Explosion

21. November 2005, 14:31
27 Postings

Hunger nach Energie wird laut Internationaler Energieagentur bis 2030 um über 50 Prozent ansteigen und Investitionen in der Höhe von 17 Billionen Dollar erfordern

Wien - Um für die wachsende Bevölkerung genügend Energie zur Verfügung zu haben müssen bis dahin 17 Billionen Dollar (17.000 Mrd. Dollar/14.200 Mrd. Euro) investiert werden. Dies geht aus dem Montag veröffentlichten "World Energy Outlook 2005" der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor.

IEA-Chef Claude Mandil warnte jedoch, anzustreben sei eine 50-prozentige Steigerung der Energieproduktion bis 2030 unter anderem aus Gründen des Klimaschutzes nicht. Selbst bei der Umsetzung der derzeit geplanten Einsparungen und Reformen würde die weltweite Energienachfrage immer noch um 37 Prozent ansteigen.

Deutliche Korrektur nach oben

Die IEA korrigiert ihre Annahmen für die Entwicklung der internationalen Energiepreise deutlich nach oben. Sie nimmt in ihrem Szenario aber an, dass die Preise für das Fass Öl bis 2010 auf 35 Dollar zurückgehen und auch noch 2030 bei relativ moderaten 39 Dollar liegen können, falls ausreichende Investitionen in Raffinerien und Ölproduktion getätigt werden. Ist dies nicht der Fall, wird der Barrelpreis nach Meinung der IEA 2030 bei 52 Dollar liegen.

Am Montag wurde ein Fass US-Leichtöl in New York um knapp 60 Dollar das Barrel (159 Liter) gehandelt, Tendenz leicht fallend. Ende August hatte der Ölpreis erstmals die 70-Dollar-Marke durchbrochen.

Nordafrika und Naher Osten zunehmend von Bedeutung

Die Rolle von Nordafrika und dem Nahen Osten wird vor allem für die Öl- und Gasversorgung der Weltmärkte immer wichtiger, schreibt die IEA weiter. Der Anteil der Region an der globalen Ölproduktion wird bis 2030 von derzeit 35 auf 44 Prozent erhöht, wird erwartet. Voraussetzung dafür ist freilich, dass im Nahmen und Mittleren Osten und in Nordafrika pro Jahr 56 Mrd. Dollar in die Energie-Infrastruktur investiert werden können - im Bereich der Ölförderung wäre dies doppelt so hohe Summe wie in den vergangenen zehn Jahren ausgegeben wurde.

<>

Die IEA zeichnet in ihrer Studie drei mögliche Szenarien nach: Im für am wahrscheinlichsten gehaltenen Referenz-Szenario wird angenommen, dass die zur Befriedigung des steigenden Energiehungers nötigen Milliardeninvestitionen in den Energiebereich fließen - mit den entsprechenden vorteilhaften Folgen für Konsumentenpreise bei Energie bzw. den entsprechenden nachteiligen Folgen für das Weltklima. Beim einem Szenario mit verzögerten Investitionen rechnen die Experten mit einem scharfen Anstieg der Energiepreise, geringerem Wachstum beim Energiebedarf und einer Verlagsamung des globalen Wirtschaftswachstums.

Ein drittes "alternatives" Szenario beruht auf Initiativen des G-8-Gipfels im schottischen Gleneagles im Juli 2005. Auf Basis dort vorgeschlagener Politiken (z.B. Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und gegen die Spekulation) wäre das Wachstum beim globalen Öl- und Gasbedarf zwar deutlich geringer und die Kohlendioxidemissionen würden 16 Prozent niedriger ausfallen als im Referenzszenario. Nichtsdestotrotz wird der CO2-Ausstoß auch in diesem "alternativen" Szenario bis 2030 um 30 Prozent zulegen, an der starken Abhängigkeit von Öl und Gas wird sich nichts ändern. Der Rolle des Öls fällt auch in diesem Rechenmodell nicht wesentlich schwächer aus als im Referenzszenario, schreibt die IEA.

Mittlerer Osten und Nordafrika

Der Mittlere Osten und Nordafrika spielen in den Vorhersagen der IEA für die Energiezukunft bis 2030 eine noch prominentere Rolle, als die Region in der heutigen Energie-Welt schon einnimmt. Im Referenzszenario nimmt sowohl der globale Bedarf nach Öl aus der Region wie auch der Eigenbedarf der Region stark zu. Als Folge davon prophezeit die IEA einen Anstieg der dortigen Ölförderung (inklusive flüssiges Erdgas) von derzeit 29 Millionen Fass pro Tag auf 50 Millionen Fass pro Tag im Jahr 2030.

Das Wachstum der Förderung außerhalb des Nahen Ostens dürfte in dem Modell nicht so stark ausfallen, Saudi-Arabien würde der bei weitem wichtigste Anbieter bleiben. "Auf dieser Basis wird sich der Anteil des Nahen Ostens und Nordafrikas an der weltweiten Ölförderung zwischen 2004 und 2030 von 35 auf 44 Prozent erhöhen", erwarten die IEA-Experten. Noch stärker als die Ölförderung würde demnach die Gasförderung in Nahost/Nordafrika steigen und sich bis 2030 verdreifachen.

Verdoppelung der Förderinvestitionen

Voraussetzung für diese Entwicklung ist freilich die erwähnte Verdoppelung der Förder-Investitionen. Sollten diese auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau bleiben, wären die Erdölexporte der Region 2030 um fast 40 Prozent niedriger als im Referenzszenario. Der internationale Ölpreis würde dann um fast ein Drittel höher ausfallen, die Ölregionen im Rest der Welt würden relativ gewinnen. Wegen der höheren Energiepreise würde die Weltwirtschaft um jährlich 0,23 Prozentpunkte weniger wachsen, der Energieverbrauch wäre um 6 Prozent niedriger. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die wachsende Bevölkerung hat immer mehr Energiehunger, der gestillt werden muss.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.