Glasfasernetz: Deutsche Telekom will Monopol erzwingen

13. November 2005, 13:43
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Verband VATM warnt vor politischem Wahnsinn

Die Deutsche Telekom drängt darauf, dass das geplante Breitbandglasfasernetz zumindest zwei bis drei Jahre von der Marktregulierung ausgenommen wird. Wie die Financial Times Deutschland unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, sollen vor allem ranghohe SPD-Politiker wie Franz Müntefering und der scheidende Wirtschaftsminister Wolfgang Clement eine Ausnahme von der Regulierung befürworten. Vorausgegangen war eine Drohung der Telekom, auf drei Mrd. Euro Investitionen sowie 5.000 neu zu schaffende Jobs zu verzichten und den Neubau des Glasfasernetzes in 50 Ballungszentren auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Proteste

Der öffentliche Vorstoß der Politiker hat bei der Telekom-Konkurrenz naturgemäß zu einem Proteststurm geführt. Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), bezeichnet die angestrebte Ausnahmeregelung im Interview mit pressetext wörtlich als "Wahnsinn" und warnt die Koalitionspolitiker vor einer "gnadenlosen Fehlentscheidung". Ähnliche, in der Vergangenheit getroffene Regulierungsbescheide hätten dazu geführt, dass Deutschland bei Wettbewerb und Angebotsvielfalt im DSL-Bereich aktuell gerade einmal den drittletzten Platz der EU-25 belege, so Grützner. Selbst bei der flächendeckenden Breitbandinternet-Versorgung liege man europaweit immer noch unterdurchschnittlich, so Grützner weiter.

Verdacht

"Angesichts des endlich stattfinden Wettbewerbes in den Großstädten und Ballungszentren besteht der dringende Verdacht, dass es der Telekom hier ausschließlich um das Einzementieren bzw. die Rückgewinnung ihrer Monopolstellung geht", kritisiert Grützner. Die von der Telekom angekündigten drei Mrd. Euro Investitionen über einen nicht näher genannten Zeitraum will er nicht überbewerten. Immerhin hätten die alternativen Anbieter seit dem Jahr 2000 rund 10,5 Mrd. Euro in DSL- und Festnetzangebote investiert und würden auch zukünftig pro Jahr zumindest eine Mrd. Euro an Investitionen tätigen.

Bereitschaft

Grützner ist außerdem überzeugt, dass die alternativen Anbieter grundsätzlich bereit sind mit der Telekom zu kooperieren, um den Ausbau des Glasfasernetzes voran zu treiben. Abzulehnen sei einzig und allein das im Falle einer Ausnahmeregelung entstehende Machtvakuum, so der Chef des Wettbewerberverbandes gegenüber pressetext. (pte)

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