Rechtsextreme Aufmärsche in vier Städten

25. November 2005, 14:06
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Skinheads erstachen 22-jährigen Studenten - "Führer" der "Slowakischen Gemeinschaft" aus Haft entlassen

Bratislava - Die Slowakei hat immer größere Probleme mit dem Rechtsextremismus. Aufmärsche der uniformierten Anhänger der "Slowakischen Gemeinschaft" in vier slowakischen Städten in der Vorwoche zeigten, dass die Rechtsextremisten bereit sind, ihre Stärke öffentlich zu demonstrieren. Die Polizei nahm Marian Kotleba, den die Anhänger der "Slowakischen Gemeinschaft" als "Führer" ansprechen, vorübergehend fest. Er wurde aber ohne Anklageerhebung wieder entlassen.

Fahndung ohne Ergebnisse

In den vergangenen Jahren wurden die Attacken der Skinheads immer brutaler. Besonders tragisch endete die Attacke der Skinheads auf eine Gruppe Studenten am Freitag. Ein 22 Jahre alter Philosophiestudent starb an den Folgen mehrerer Stiche. Zwei weitere Studenten wurden schwer verletzt. Die Polizeifahndung war bisher erfolglos.

Ein Polizeiexperte hat im Gespräch mit Tageszeitung "Sme" bestätigt, es gebe Verbindungen zwischen uniformierten Neonazis und Skinheads. In der Öffentlichkeit herrscht die Meinung, die Polizei ignoriere die Situation. Die Tageszeitung "Hospodarske noviny" schreibt, dass "während der Jahre der Ignoranz es die Nazis schafften, sich in Behörden, Hochschulen und Firmen zu integrieren".

Laut "Hospodarske noviny" seien viele Kinder von reichen und einflussreichen Bürgern in neonazistischen Organisationen tätig und haben kein Problem, die besten Anwälte zu bezahlen, wenn sie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. "Neonazis und Skinheads geben Zeitschriften und CDs heraus, sie organisieren Konzerte. Nur schade, dass in den Vorortssiedlungen jeder darüber weiß nur die Polizei nicht", schrieb die Zeitung.

Die linksliberale "Pravda" schreibt: "Die Polizei behauptet schon seit Jahren, sie habe die extremistischen Gruppen unter Kontrolle. Bisher wurde aber niemand für das Tragen von nazistischen Symbolen und für die Propaganda dieser Ideologie bestraft".

Laut Polizeiexperten sind in der Slowakei ungefähr 4.500 Rechtsextremisten aktiv, 200 davon gehören zum "harten Kern". Es kann man nicht erwarten, dass die Rechtsextremisten fähig seien, einen breiteren Einfluss zu gewinnen, ihre Aktivitäten aber besagen, dass in der slowakischen Gesellschaft nicht alles in Ordnung sei, sagte Jana Rybova, die Soziologin. Die Bürgerinitiativen hatten für Mittwoch eine Demonstration gegen den Vormarsch des Rechtsextremismus einberufen. Sie wird zeigen wie stark die Abwehrreaktion der Gesellschaft gegen die Pest des Rechtsextremismus eigentlich ist. (APA)

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