Skoceks Zeitlupe: Am Anfang war das Feuer

10. November 2005, 13:29
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Mit Hannes Kartnig nimmt am 8. November auf der Generalversammlung des SK Sturm Graz nicht nur ein Präsident den Hut, sondern der Typ des österreichischen Selfmade-Menschen...

Ein Duodezfürst wie er wird im Riesenreich des EU-Fußballs auf seine Provinz verwiesen, wenn er sich nicht für die rücksichtslose Expansion und das unkalkulierbare Risiko entscheidet. Das geht den mittleren Gewerbetreibenden anderer Branchen genauso. Kartnig, Hans-Werner Weiss (Admira), Peter Vogl (Ried) und Franz Grad (Pasching) sind als Unternehmer kleine Fische, immer in Gefahr, von den großen Haien Didi Mateschitz (Salzburg) oder Frank Stronach (Austria) gefressen zu werden. Wer kein Unternehmen hat, nur Manager ist wie Harald Sükar (GAK) oder Rudolf Edlinger (Rapid), tut sich doppelt schwer, überhaupt im Markt zu bleiben. Sie müssen wie Rapid oder Ried die regionale Wirtschaft zu Solidarität und Sponsoring verpflichten, darüber hinaus besonders gute Fachleute beschäftigen wie die Trainer Josef Hickersberger, Heinz Hochhauser und Georg Zellhofer.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird überall, so auch im Fußball, rasch breiter. Vor fast 14 Jahren tat sich Kartnig relativ leicht, das nötige Betriebskapital zu beschaffen, außerdem hatte er Ivica Osim. Seit der beste Sturmtrainer aller Zeiten nach Japan abgedampft ist, haben Kartnig und sein Manager Heinz Schilcher nichts mehr bei Sturm zusammengebracht. Es war nicht nur ihre Schuld, die Zeiten sind für Kleine härter geworden, Sturms Budget hat sich verfünffacht. Kartnig zollt der Wende Tribut. Sturm wird wie alle Klubs ohne internationale Kohle weiter an Dampf verlieren und ohne Kartnig an Unterhaltungswert sowieso. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7.11. 2005)

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