Kommentar: Geld spielt Fußball

16. November 2005, 11:40
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Erfolg kann man nicht kaufen. Diese Weisheit kann die eingebildeten und tatsächlichen Armen im weltweiten Milliardenspiel namens Fußball nicht mehr trösten...

Natürlich spielt Geld Fußball, sogar sehr erfolgreich - wenn man es lässt. Der österreichische Bundesligist Salzburg, der im Frühjahr kurz vor dem finanziellen Untergang nach Dietrich Mateschitz' rettendem Strohhalm griff, hüpft das wieder vor.

Der Herbstmeistertitel, also Platz eins nach 18 Runden, ist natürlich kein Triumph, aber angesichts der Umstände schon bemerkenswert. Die Red-Bull-Millionen wurden in viele anderswo schon erfolgreiche Spieler, in einen erfahrenen Trainer und in die markentaugliche Adaption eines ohnehin neuen Stadions investiert. Danach hat sich Mateschitz nicht mehr eingemischt. Auch dann nicht, als die zusammengestoppelte Truppe zu Beginn vor allem abseits des Salzburger Kunstrasens praktisch nur Watschen kassierte: Platz neun und neun Punkte Rückstand auf die Spitze nach einem Viertel der Meisterschaft, für (natürlich nur finanziell) minderbemittelte Neider war das ein Fest.

Nach zwei geleerten Vierteln gibt es nicht mehr viele, die auf einen anderen Meister als Salzburg setzen. Mateschitz wird im Winter zumindest einen weiteren Star spenden, Trainer Kurt Jara hat seine erste echte Vorbereitungsphase zur Verfügung. Was soll da noch schief gehen, überhaupt wenn die Konkurrenten weiter so durch die Liga wanken wie im verwichenen Herbstdurchgang? Salzburg wird im Mai 2006, also innerhalb eines knappen Jahres, so ungefähr das geschafft haben, wozu die Austria unter Mäzen Frank Stronach viele Millionen Euro mehr, sportlich Verantwortliche im Dutzend und bald acht Jahre gebraucht hat. Denn bei den Wienern kommt das viele Geld gar nicht erst zum Spielen. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7.11. 2005)

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